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Düsseldorf Gerresheim Fabrikantenvilla

Fotogruppe Netzwerk 55plus

Fototour Gerresheim Industriekultur

 

Die Fabrikantenvilla Haus Poggfred in Düsseldorf-Gerresheim

 

Die Industrialisierung revolutionierte nicht nur die Produktion, sondern veränderte auch die Gesellschaft. Neue gesellschaftliche Gruppen wie z.B. die der Arbeiter entstanden. Die Verlagerung weg vom vormals dominierenden Adel hin zum aufstrebenden Bürgertum wird auch architektonisch erkennbar. Die Villenbebauung entlang der Heyestraße symbolisiert noch heute das offen zur Schau gestellte Selbstbewusstsein des gehobenen Bürgertums, dass sich als die tragende Säule der Gesellschaft verstand.

 

Inmitten einer kleinen Parkanlage, versteckt hinter einer Gartenmauer und schmiedeeisernem Tor, liegt die 1892 als Fabrikantenwohnsitz erbaute „Villa Poggfred.“ Wegen ihrer ausgezeichnet erhaltenen inneren und äußeren Ausstattung steht sie als eine der letzten freistehenden Villengebäude an der nördlichen Heyestraße unter Denkmalschutz. Dominiert wird das Gebäude durch den zweieinhalb geschossigen Turm auf der linken Hausseite. Im Bogenfeld über dem Turmfenster im ersten Stock wacht ganz im Sinne des patriotischen Duktus des Kaiserreiches die Germania. Auch im Innern setzt sich der Schlosscharakter mit großflächigen Wandfresken, Holzvertäfelungen und einen aufwendigen Treppenhaus fort. Hier bediente sich das Bürgertum auch in der Architektursprache den Elementen traditioneller Herrschaftsarchitektur, wie wir sie von Schlössern her kennen. Mit wachsendem Selbstbewusstsein imitierte man adeligen Lebensstil und erhob sich selbst zum „Adel des Industriezeitalters“.

 

Den Namen erhielt das Haus nach 1896 durch seine damaligen Besitzer Gustav und Hedwig Kneist. Ihr Haus wurde bald Treffpunkt eines literarischen Zirkels, zu dem die Dichter Detlev von Liliencron oder Wilhelm Schäfer gehörten. In Anlehnung an ein Versepos Liliencrons taufte die Familie Kneist ihr Anwesen auf den Namen „Poggfred“, auf Hochdeutsch „Frieden den Fröschen“. Die Villa wurde unter dem Rektor der nahen Heye-Schule mit Dichterlesungen und Hausmusikabende zum großbürgerlichen kulturellen Mittelpunkt Gerresheims. Der wegen seiner Rolle während des „Dritten Reiches“ umstrittene Schriftsteller Wilhelm Schäfer steht in seiner literarischen Idealisierung eines vorindustriellen Rheinlandes stellvertretend für weite Teile des Bürgertums, die zwar wirtschaftlich von der Industrialisierung profitierten, aber mit ihren Folgen, wie der Verstädterung, haderten und Zuflucht in einem häufig volkstümlich/völkischen Idyll suchten.

 

Diagonal gegenüber, in der burgähnlich wirkenden Villa Ecke Heyestraße/Dreifaltigkeitsstraße, residierte der erste Werksarzt der Glashütte und Leibarzt de Familie, der Mediziner Karl Strunk.

 

Die Straßen, an denen diese Häuser entstanden, nahmen später oft für den Ort wichtige Funktionen als Hauptgeschäftsstraße oder ähnliches ein. Mit ihnen sollten für Ärzte, Anwälte, hohe Beamte oder andere Vertreter des gehobenen Mittelstandes Bauplätze entstehen.

 

Rheinische Industriekultur, Peter Henkel

 

Photo group network 55plus

Photo tour Gerresheim industrial culture

 

The factory owner's villa Haus Poggfred in Düsseldorf-Gerresheim

 

Industrialization not only revolutionized production, but also changed society. New social groups such as workers emerged. The shift from the previously dominant nobility to the emerging bourgeoisie is also evident architecturally. The villa development along Heyestrasse still symbolizes the openly displayed self-confidence of the upper middle class, which saw itself as the supporting pillar of society.

 

In the middle of a small park, hidden behind a garden wall and a wrought iron gate, lies the “Villa Poggfred,” which was built in 1892 as a factory owner’s residence. Because of its excellently preserved interior and exterior furnishings, it is one of the last free-standing villa buildings on northern Heyestraße and is a listed building. The building is dominated by the two-and-a-half-story tower on the left side of the house. In the arched area above the tower window on the first floor, Germania watches over in keeping with the patriotic style of the Empire. The castle character continues inside with large wall frescoes, wooden paneling and an elaborate staircase. Here, the bourgeoisie also used the elements of traditional imperial architecture in the architectural language, as we know them from castles. With growing self-confidence, people imitated the aristocratic lifestyle and elevated themselves to the “nobility of the industrial age”.

 

The house was given its name after 1896 by its then owners Gustav and Hedwig Kneist. Their house soon became the meeting place of a literary circle that included the poets Detlev von Liliencron and Wilhelm Schäfer. Based on a verse poem by Liliencron, the Kneist family named their property “Poggfred”, in High German “Peace to the Frogs”. Under the principal of the nearby Heye School, the villa became Gerresheim's upper-middle-class cultural center with poetry readings and house music evenings. In his literary idealization of a pre-industrial Rhineland, the writer Wilhelm Schäfer, controversial because of his role during the “Third Reich,” represents large sections of the bourgeoisie who benefited economically from industrialization, but struggled with its consequences, such as urbanization, and sought refuge in an often folk/ethnic idyll.

 

Diagonally opposite, in the castle-like villa on the corner of Heyestrasse and Dreifaltigkeitsstrasse, lived the glassworks' first company doctor and the family's personal physician, the doctor Karl Strunk.

 

The streets on which these houses were built later often took on important functions for the town as the main commercial street or something similar. They were intended to create building sites for doctors, lawyers, high-ranking civil servants or other representatives of the upper middle class.

 

Rhenish industrial culture, Peter Henkel

 

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Uploaded on September 24, 2023
Taken on September 13, 2023