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Immanuel Kant

„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ – Immanuel Kant

 

«поступай так, чтобы максима твоей воли могла бы быть всеобщим законом» - Иммануи́л Кант

 

In der Ausgabe „Neue Preußische Provinzial-Blätter“ von 1858 ist zur Kantstatue folgendes zu entdecken:

 

Viel Spaß beim Lesen, ... TK.

 

„Der Aufstellungsort der Kantstatue.

 

In dem Comité für Errichtung des Kantdenkmals ist definitiv beschlossen worden, die Statue auf dem Platze aufzustellen, auf welchem früher die allstädtische Kirche stand. Das Werk wurde, wie veröffentlicht, am 18. Juni vorigen Jahres gegossen, das Fußgestell dazu noch von dem nunmehr dahingeschiedenen Meister angeordnet. „Im Jahre 1858 hoffen wir, so schreibt ein Gönner, der dem Unternehmen eine aufopfernde Theilnahme angedeihen läßt, „hoffen wir, >>Deo regeque faventibus <<, endlich das Standbild Kant's auf dem Altstädtischen Kirchenplatz errichten zu können. Es war anfänglich der Philosophendamm dazu ausersehen, allein die inzwischen dort eingetretenen Veränderungen haben den Wunsch nach einem anderen Platze erregt" *).

 

Soviel Angenehmes darin gefunden werden würde, auf dem Spaziergange, dessen Namen schon an unsern großen Weltweisen erinnert, auch seinem Gedenkbilde zu begegnen, so ist doch für dasselbe dort nicht mehr die Stelle. Ja, auf dem Philosophengange von ehedem, dem halbländlichen Wiesenterrain mit Alleen und schattigen Rasenstücken, den Tummelplätzen spielender Kinder, hätte Kant's Statue in Marmor, umgeben von hohen Baumwänden und Blumenpflanzungen, einen so reizenden Anziehungs- und Ruhepunkt für den Lustwandler abgegeben als etwa das Denkmal Friedrich Wilhelms III. im Louisenhain vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Seitdem über die verschütteten Wiesen das brausende Dampfroß alltäglich dahinläuft, hat sich dort Alles verändert. Wo der gellende Pfiff der Lokomotiven ertönt, dorthin begibt sich alle Welt mit anderen Gedanken als solchen der Ruhe und Beschaulichkeit, auch das „Sanssouci" hat seinen ländlichen Charakter abgetan und ist komfortabel geworden. Noch mehr soll sich ändern, sobald die Fortifikation sich auf jenes Terrain erstreckt haben wird. Daß das Kunstwerk in solcher Nähe bei möglicher weise eintretenden Ereignissen nicht einmal sicher vor Beschädigungen sein würde, ist zwar das letzte Bedenken, doch hat es entschieden, und von dem Philosophendamme kann nicht mehr die Rede sein, wenn man die Plätze aufzählt, die geeignet wären, das Denkmal aufzunehmen. Geistreich äußerte sich früher eine gewichtige Stimme von Berlin her: „Daß der Altstädtische Kirchenplatz unmöglich wird, ist mir sehr, sehr lieb. Ich möchte den alten Kant gern auf dem Philosophengange behalten; mag er dort Protest einlegen gegen das einseitige, materielle Treiben. Zwischen Stadt und Bahnhof ein abgegränzter Platz mit einer Bank zum Ausruhen gibt sich leicht, um der Gestalt ihre Wirkung zu sichern und zugleich anzudeuten, daß philosophische Sammlung des Geistes Jedem notwendig sei auf seinem Rennen hinter dem goldpapiernen Rade der Fortuna her." Geistreich, und der nun doch gewählte altstädtische Kirchenplatz ist auch uns und vielen Anderen recht unliebsam; allein von dem anfänglich beliebten Aufstellungsorte

kann doch die Rede nicht mehr sein.

Jedermann sagt sich leicht, daß, soll an einen unserer öffentlichen Plätze gedacht werden, nur wenige vorhanden sind, welch einer bronzenen Statue das nöthige Relief geben können. Schon für das Kißsche Monument, das nun auf Königsgarten steht, wurden vor Jahren der Münzplatz oder der Platz am schiefen Berge vorgeschlagen, weil es für einen Erzguß sehr viel darauf ankommt, daß auf allen Seiten ihm eine geschlossene Häuserreihe zur Folie diene: eine Bedingung, welche die genannten Plätze am Besten erfüllen. „Die regelmäßige, viereckige Form, die ansehnlichen Häuser, die ihn umgeben, der Umstand, daß zwei Straßen an dem Denkmal vorüber führen würden, daß er im beliebtesten Teile der Stadt sich befindet, eignet den Münzplatz vorzüglich zur Aufnahme eines Denkmals. Eine schönere Stelle für ein solches bietet, bei einer leicht zu bewerkstelligenden Aptierung, der Schiefe Berg dar. Den Unterbau für das Fußgestell müßte das tiefliegende Gärtchen aufnehmen, das durch ein Eisengeländer gegen die Straßen abgeschlossen ist. Überall von größeren Gebäuden umfangen, würden die Umrisse der Statue sich auf das Deutlichste für jeden Standpunkt markiren, für die Vorderseite wäre zur Anschauung gerade der erforderliche Raum vorhanden." Diese Ansichten, welche die Frage vom künstlerischen Standpunkte beleuchten, sind längst ausgesprochen worden *), und wir wüßten nicht, daß sie seitdem an Richtigkeit verloren hätten. Wenn das Comité mit Übergehung der beiden möglichen Standorte des Kantdenkmals sich nun für den Kirchenplatz entschieden hat, so würde ein Künstler gewiß Nichts für die Richtigkeit solcher Entscheidung beibringen. Dagegen einzuwenden ist sogleich, daß der Raum für die Dimensionen des Kunstwerks zu weit ist; sodann, daß dasselbe sich sehr ungünstig präsentiren wird, da drei sehr frequente Straßen den Platz einschließen, die Statue aber nur eine gute Ansicht darbietet. Welcher Straße soll diese zugewendet werden? Bestimme man sich, wie man wolle, es werden allemal sehr langweilige Seiten oder Hinter-Ansichlen auf weite Distanzen hin geboten. Am wichtigsten ist aber der Einwand, daß die Architekturmassen rings um den großen Platz die nicht sonderlich große Statue förmlich erdrücken werden. Die Hauptansicht des Platzes muß man jedenfalls von der Schuhgasse ausnehmen. Geschieht dies, so ziehen die altersgrauen Schloßmauern in ihrer eigenthümlichen Gliederung, vor Allem die Thürme, den Blick sofort dermaßen gewaltsam an, daß Darunter- und Nebenstehendes nur übersehen werden kann. Neben dem Schloßturme soll die Kantstatue sich geltend machen! — Wo ein so bedeutender Fehler in der Ausstellung gut geheißen wurde, wollen wir andere nicht weiter aufzählen, wenn gleich einer davon nicht ganz verschwiegen werden darf, daß die zur Freude Aller so wohl gewachsenen Bäume, welche den Platz umgeben, das Letzte tun würden, der Statue jede Wirkung zu benehmen. Denn der solide Ernst des Metallgusses harmoniert nicht mit der Beweglichkeit des Laubes, die Bronzefarbe nicht mit dem frischen Grün der Blätter, zwischen denen weißen Marmorfiguren sich anmulhig abheben. Alles in Allem genommen, würde unsere Ansicht über die Wahl dieses Aufstellungsortes sich in ähnliche Worte zusammenfassen lassen, als bei einer ähnlichen Entscheidung geäußert wurden: „Durch die Errichtung unseres Königsdenkmales auf dem Königsgarten wird die Stadt nichts gewinnen und der Künstler alles verlieren" ').

 

Haben wir, wo es gilt, einem Kunstwerke seine volle Wirkung zu wahren, wie billig, künstlerische Bedenken zuerst eingewendet, so dürfen wir darum die Stimme derer nicht überhören, welche verlangen , daß der Aufstellungsort eines Denkmals die bestimmteste Beziehung zu dem Leben und dem Charakter des Verherrlichten enthalte. Die Göthe-Schiller-Gruppe in Weimar wurde in der Nähe des Theaters aufgestellt, Kopernik's Statue steht in der Nähe seines Geuburtshauses, v. Schön'S Denkmal haben wir vor seiner letzten Schöpfung, der Kunstakademie, errichtet; fast überall wurde nach letzter Möglichkeit die engste Beziehung festgehalten. Wir werden uns mit der weitesten begnügen sollen : Kant hat hier am Orte gelebt und gelehrt. Und doch hat auch K. Rosenkranz früher sehr stark betont, welcher Ort Kant ein Denkmal zusetzen, der rechte" „der biographisch-prädeftinirte" sei*).

Der Philoftphengang bleibt freilich der prädestinirte, wenn er leider nicht mehr der rechte Ort dazu ist. Sehen wir aber, weil es sein muß, von ihm ab, so sind doch noch andere Beziehungen zu berücksichtigen, ehe wir uns entschließen, Kant's Denkmal, Rauch's Meisterwerk, da aufzustellen, wo in der Stadt gerade Platz ist.

Kant's Geburtshaus existiert nicht mehr. Das Haus, in dem er zuletzt Vorlesungen hielt und auch starb, würde in ein Kant-Museum verwandelt, — sein Zimmer in den status quo ente versetzt und mit den Reliquien ausgestattet, die sich von Kant noch finden, vor Allem mit einer vollständigen Sammlung der Kantliteratur, könnte nicht weniger Anziehungspunkt werden als das Schillerzimmer in Weimar, ras Lutherhaus in Eisleben u.s.w. es sind — sein Sterbehaus also würde, so in Stand gesetzt, wohl zu den wenigen Sehenswürdigleiten Königsbergs eine mehr abgeben könnten; allein die Statue läßt sich ihm in keiner Weise an schließen. Wir sind genötigt, weitere Beziehungen aufzusuchen. Kant gehörte der Universität an, und in der Aula derselben ist eine Bronzestatuette von Bräunlich aufgestellt, die an ihn erinnern soll. Vielleicht nimmt das neue Universitätsgebäude das Standbild dessen, der einst eine Zierde der Anstalt war, als seine schönste Zierde an sich? Auch dies kann nicht sein. Denn die Fassabe soll mit dem Standbilde des Stifters geziert werden; überdies erhebt sich vor dem Gebäude die Reiterstatue des verstorbenen Königs so würde jeder Zuwachs an plastischen Werken hier Überladung verursachen. Auch will ein Monument allein auf seinem Platze stehn, jeder Nachbar, auch wenn derselbe kein Schloß-Turm wäre, ist ihm ein Nebenbuhler. Die geforderte und notwendige Isoliertheit fände das Kantdenkmal nun nirgends besser als an der Stelle, an die wir zunächst denken und die nicht nur

die Möglichkeit einer Beziehung des Standortes auf die Person Kant's erschöpft, sondern auch die Möglichkeit eines Aufstellungsortes überhaupt: wir denken an den Platz vor der Königl. Universitätsbibliothek. Das Gebäude derselben, das seine ehemalige Bestimmung — es war ein Jagdschloß — im Äußern und mehr im Innern noch immer nicht ganz verleugnet, hat einen Umbau gemäß den jetzigen Zwecken zu gewärtigen. Vielleicht könnten Hauptbau und Pavillons dabei eine geschmackvollere Bedachung und gefälligern Aufputz erhalten. Dann wäre der bezeichnete Platz als der einzige, der allen Bedingungen zugleich entspricht, wohl nochmals in Bedacht zu ziehen, falls ein Bedenken überhaupt weiter statthaft ist. Nicht allein die Lebensstellung, die Kant einnahm, würde nämlich durch diesen Standort seines Monumentes angedeutet, sondern auch die künstlerische Wirkung wäre dem letztern gesichert. Das regelmäßige Viereck des geschlossenen Raumes, der sich den Massen der Statue anschließt, die einefachen, nicht allzu hohen Wände ringsum, die einen wirksamen Hinlergrund abgeben, der würdige, ruhevolle, vor anderen sicher gehaltene Ort, endlich daß eine der schönsten und wichtigsten Straßen der Stadt vor der Statue vorüberführen und nur diejenige Ansicht zu nehmen erlauben würde, welche gesehen sein will: das Alles sind Vorteile, die vereinigt weder der Münzplatz noch der Platz am schiefen Berge bieten. Wir begreifen nicht, wie diesen Erwägungen gegenüber der altstädtische Kirchenplatz hat die Entscheidung auf sich lenken können.

Der altstädtische Kirchenplatz— mögen wir ihn nun mit die sein Namen bezeichnen oder mit der Transscription, die der Volksmund erfand — hat allemal das Gegentheil biographischer Prädestination für das Kantdenkmal aufzuweisen. Schwerlich wird es gelingen, ihn in einen „Kantsplatz" umzuwandeln, auch wenn die getroffene Entscheidung keiner endgültigen weichen sollte. Wir wagen aber, da eine Abänderung in den Händen der wichtigsten und aufopferndsten Pfleger liegt, welche diese Sache gefunden, wir wagen zu hoffen, daß unserm alten Kant und dem hochverehrten Meister Rauch mehr Ehre widerfahren und die Aufstellung der Reliquie, die uns an beide erinnern soll, an einem andern Orte erfolgen werde als auf einem, wie gezeigt ist, gänzlich „unmöglichen" Platze. Dem Dr. Johannes Luther werde hier, wie geschehen soll, ein Denkstein gesetzt, damit Jeder sich fortan seiner, seines Vaters und der Geistesschlachten erinnere, die vor Jahrhunderten an dieser einst (und also doch eigentlich für immer) geweihten Stätte für die Glaubensfreiheit gefochten wurden. Verlöschen wir solche Erinnerungen nicht, indem wir sie mit anderen vermengen!

 

Kant, dem „Alles zermalmenden Denker" gebührt ein eigner Platz, eine Stelle, die noch Niemand angehört hat, noch ungeweihter Boden! Wird ihm werden, was ihm gebührt?

Oder soll, wer die nachdenkliche Gestalt im Alltagstreiben der Allstadt unbeachtet die Hand zur Stirn erheben sieht, sich sagen: der Alte sinnt nach, wie er hieher gekommen? —

H“

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Uploaded on March 15, 2022