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Pyhra/WT. Bildstock, 1405 - Gotik

Wenn man das 50-Seelen-Dorf Pyhra (GM Waidhofen/Thaya, WT) in nördlicher Richtung nach Puch auf der L 59 verlässt, steht an einer hohen Strassenböschung dieser gut 4m hohe gemauerte gotische Bildstock. Er hat in den vielen Jahrhunderten mehrere Namen erhalten wie "Grosse Marter", "Pyhringer Marter", "Schwarze Marter" etc. Er ruht in 615m SH im heutigen Ried "Thayaer Feld" am Fusse des Galgenhügels, heute "Amaißleiten", auf einem neu errichteten Grundfundament auf dem sich ein quadratischer an den Ecken gefaster gedrungener Breitschaft erhebt. Die Fasung lag einst auf Strebepfeilern an allen vier Ecken des Schaftes, die es heute nicht mehr gibt. Die Fasung wird oberhalb durch breite runde Zungen begrenzt die ursprünglich ausladend waren. Zwischen den Strebepfeiler war unterhalb der Deckplatte eine kleine Nische in der einst eine Inschrift mit dem Stiftungsdatum: 1405 zu lesen war - siehe kleines Bild. Am Schaft eine dünne überkragende quadratische blechgeschützte Deckplatte. Darauf ein Tabernakel der an allen vier Seiten übergiebelte Nischenaufsätze von verschiedenen Ausführungen aufweist. An der Vorderseite eine tiefe Rundbogennische mit einem modernen Kruzifix an seiner Rückseite. Im Dreiecksgiebel ist ein Restaurierungsdatum eingraviert: 1974. An den seitlichen Tabernakelfronten ist je eine viereckige Blendnische vorhanden. Die Rückseitennische ist ident mit der Vorderseite. Geschützt wird der Bildstock durch ein breites und hohes kegelförmiges Steindach mit Blechabdeckung. Im Kegeldach sind seitlich zwei Mansardennischen eingebaut mit je einem kleinen blechgedeckten Satteldach. Bekrönend am Kegeldach ein altes barockes Doppelkreuz. Der Bildstock stand schon immer an dieser Stelle, an den Gemeindegrenzen von Pyhra und Puch. Ursprünglich ging die alte Strasse zwischen den beiden Orten hinter dem Bildstock vorbei. Bei einem schweren Gewitter im September 1759 schlug ein Blitz in den Bildstock, beschädigte ihn schwer, dabei wurde ein daneben stehender Bauernknecht, der hier Schutz suchte, getötet. Erst 1894 wurde der desolate Bildstock auf Veranlassung der Wienerin Rosa Purkhauser durchgreifend restauriert konnte aber nicht mehr originalgetreu wiedererrichtet werden da die nötigen Unterlagen dazu fehlten. Bei dieser Restaurierung fand man in der oberen Nische, die früher höher und schmäler war, Gebeine einer jungen Frau. Bei der Errichtung der neuen Strasse 1972, vor dem Pfeiler, stürzten Teile des Bildstockes wieder ein. Bei diesen Grabungen zur neuen Strasse wurden im Umfeld weitere Skelette gefunden. Bei dieser neuerlichen Restaurierung im Jahre 1973 wurde das alte Steinkegeldach mit Blech verschalt - siehe kleines Bild (1880). Nach alten Legenden aus über 600 Jahren Existenz soll es sich hier entweder um ein Sühnekreuz handeln, um eine alte Pestmarter oder aber auch um ein Gerichtsmarterl zum nahen Galgen am Galgenbühel beim nahen Ort Puch. Die Gravur des Errichtungsjahres 1405 soll noch bis zur letzten Restaurierung am Bildstock in der kleinen Nische am Schaft gut sichtbar gewesen sein - sie ist beim Einsturz 1972 verloren gegangen. Wahrscheinlich war es ein Pestmarterl zur damals schweren Pestperiode von 1381.

 

Standort: GPS 48.839297, 15.352455

kein Denkmalschutz

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Uploaded on July 20, 2019
Taken on July 20, 2019