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Tafel91

Petersen's Description:

 

Scene LXXIX (pp. 78-79)

Ohne Scenentrennung geht der Marsch in die Schlacht über, und Figur 1-3 können ebensogut zur vorigen Scene gezogen werden wie die Garden unmittelbar hinter dem Kaiser, und nach dem Prinzip der ergänzenden Anknüpfung erscheinen in dem Kampf die charakteristischen Gestalten der im vorhergehenden Bilde Aus­rückenden nicht wieder. An dem Fenster, über welchem ein moderner Flicken mit Figur sitzt, stockt die ungestüme Bewegung ein wenig dadurch, dass der Reiter 11 auf die Gruppe 1 2, 13 hinabzielt, aber wie die Leichen 6 und 10, so erwecken auch die unter dem Fenster und weiterhin liegenden 16 und 18 die Vorstellung eines über ihnen fortrasenden Kampfes. Von seinem durchgehenden Gaul gefallen, sucht 4, in sehr momentaner Lage dargestellt, sich noch mit der Rechten zu halten; Zügel haben auch diese Barbaren ja keine; also ist er wohl nach der Mähne greifend gedacht, auch das nicht glücklich, nicht sowohl wegen der konsequent ohne richtiges Verhältnis zu einander gezeichneten Reiter und Pferde, sondern weil das linke Bein des Fallenden eben zwischen Hand und Widerrist durchgegangen sein muss. Auch hier wieder die Barbaren fast wehrlos, nur 7 und 13, also zwei von sieben haben eine Waffe und zwar nur den Schild, ohne dass solche, wie an der Trajanssäule gewöhnlich, bei den übrigen hinzuzu­ denken wären . Waffenlos liegt 10 tot über dem toten Pferd; wehrlos sprengt 9 über jene Leichen weg, gnadesuchend sich nach dem Römer umsehend, der nicht einmal Miene macht, seine Waffe gegen ihn zu gebrauchen, ebensowenig freilich sich seiner Person zu bemächtigen. Waffenlos fällt 4 vom Pferde, und waffenlos, trotz des Schildes, wird 7 von dem Gegner hinter ihm erstochen. Sein Knie gegen eine Bodenerhebung stemmend, reisst der Römer des Barbaren Kopf am buschigen Haar zurück, um sein Schwert in die tötlichste Stelle hinter dem Schlüsselbein zu bohren : die Ausführung ist ein wenig fehlgegangen. Der römische Reiter 11 zielt mit seiner Lanze von oben hinab auf den von einem Genossen unterstützten Verwundeten, dessen Träger ja auch zu jenem hinaufblickt; kraftlos sinkt der Schildarm des Verwundeten, kraftlos auch die Rechte, deren Finger gekrümmt sind als wäre ihnen ein Schwert entfallen, das doch nicht vorhanden. Unten drängen sich zusammen die Beine von 12, der Kopf des toten Pferdes von 10, die Hinterbeine des Pferdes von 15, hinter den en und dem Arme von 14 die Beine von 13 verschwanden, wie hinter diesen diejenigen von 14.

Auf beiden Seiten erscheinen Reiter und Fussvolk, und von den Barbaren sind die Reiter 4, 9, 10 sämtlich, aber auch die Fussgänger 12, 13 voll bekleidet. Der Typus ist auch in dem besterhaltenen Kopf von 9 nicht ganz deutlich : die Be­schädigung lässt im Unklaren, ob die Wange frei und der Bart wesentlich Schnurr­ und Kinnbart war. Das scheint nun zwar bei 7 nicht der Fall gewesen zu sein, umse­ rnehr aber nach dem Bruch bei 13 und namentlich bei 12. Vielleicht darf auch das Gewaltsame in der Lage von 11 und der Toten 6, 16, endlich das leidenschaftliche Wesen von 7 dafür geltend gemacht werden, dass es Sarmaten sind.

Rechts von dem durch das Fenster gehenden Spalt ist zwar der Marmor die alte Säulentrommel, aber das Relief antik nur von 14, t6 und daneben der Fuss von 17, dazu das Hinterbein des Pferdes von 15. Weiter rechts ist ganz wie in dem darunterliegenden Streifen (s. S. 77) die Oberfläche des herausgerückten Trommelstücks durch Tieferlegung des Reliefs gründlich überarbeitet und in dem Dübelloch auf B kann man messen, dass das Stück der unteren Trommel vor die obere um 7-8 cm vorgerückt jst, ähnlich vor die untere. Ganz modern ist der schmale Streifen unten 90 B, 91 A und von da, mit anfangs grad, dann schräg hinauflaufender Grenzlinie, der ganze Streif bis an die obere Trommelfuge und rechts bis zur Fuge, die senkrecht an der rechten Seite des Fensters, dann links am Gemäuer, dann wagrecht durch dasselbe und schräg durch die Beine von 1 hinabläuft. Hat dieser neue Teil gar keine Gewähr, so ist bei dem vorhergehenden eine gewisse Anlehnung an das ursprüngliche Relief nicht ganz ausgeschlossen. Es ist nicht unmöglich, dass neben der Niedermetzelung der Männer auch hier das Schicksal der Weiber und Kinder und des Viehs dargestellt gewesen sei, ohne dass aber irgend eine Einzelheit sicher for echt zu halten wäre. Darum ist auch in die Beschreibung nichts davon aufzunehmen : so abweichend und geschmacklos, so unklar und unzusammenhängend ist alles, und eben am linken Ende dieses Stückes sind nicht einmal die heute noch sichtbaren Spuren befolgt: der Schaft am linken Arm von 13 kann nur das Ende der Lanze des Reiters 16 sein; mit 18-22 ferner sind abgearbeitete Köpfe oberhalb der oberen Trommelfuge be­zeichnet, denen nur teilweise und ungefähr die Köpfe der soviel kleineren modernen Figuren entsprechen. Nur die Lanzenspitze vor 21 ist belassen und verwertet, aber der Kopf ihres Trägers war weit näher daran.

 

Without any scene separation, the march blends into a battle, and figures 1 – 3 can just as easily pulled into the preceding scene, just like the the Guards immediately behind the Emperor, and according to the principle of additive continuity, the characteristic figures of those marching out in the preceding picture do not reappear. At the window, over which sits a modern patch with a figure, the brash movement stalls a bit due to the fact that the cavalryman 11is aiming down at group 12, 13, but just as the corpses 6 and 10 window and those lying beneath the window and elsewhere 16 and 18 awaken the mental picture of a battle that is raging over him. Falling from his runaway horse, 4, shown very much in the moment, tries still to hold on with his right hand; these barbarians having no bridles, of course, he is conceived of as grabbing for the mane, but that, too, not happily, not only because of the riders and horses consistently not being drawn in the right relationship to each other, but because the left leg of the one falling must of course have passed between the hand and the horse’s withers. Here, too, the barbarians are almost defenseless, with 7 and 13, only two out of seven, having a weapon and that only the shield, not that the others must be thought of as having them, as is normally the case on Trajan’s Column. With no weapon, 10 lies dead across his dead horse; unarmed 9 gallops away over those corpses, turning to look back imploringly for mercy at the Roman who does not show any signs of using his weapon against him, much less seizing him. Weaponless, 4 falls from his horse and an unarmed 7, despite the shield, is stabbed from behind by the adversary. Propping his knee against a rise in the ground, the Roman pulls the barbarian’s head back by the bushy hair in order to plunge his sword into the most mortal spot behind the collarbone: the artistic execution went a little awry. The Roman cavalryman 11 aims his lance from up above at the wounded man supported by a comrade, who is also looking up at him; the wounded man’s shield arm falls weakly, powerless also is the right, whose fingers are bent as if a sword had fallen out of it, but it is nowhere to be seen. Below, the legs of 12, the head of a dead horse, the rear legs of 15’s horse crowd together, and behind which and 14’s arm the legs of 13 disappeared, just as behind them do those of 14.

On both sides appear cavalry and foot troops and among the barbarians all the horsemen 4, 9, 10 are fully clothed but so are the ones fighting on foot 12, 13. Even on the best-preserved head the type is not quite evident: the damage leaves unclear if the cheek is clean and the beard simply mustache and goatee. It is true that this did not seem to be the case with 7, but even more so after the fissure on 13 and namely on 12. Perhaps the violent aspect of 11’s situation and of the dead 6, 16 and lastly the impetuous nature of 7 can speak for their being Sarmatians.

To the right of the crack running through the window, the marble is from the old column drum but the relief is antique only from 14, 16 and next to it the foot of 17, also the rear leg of 15’s horse. Farther to the right, just as in the band lying below it (cf. p. 77) the surface of the projecting piece of the drum has been thoroughly reworked by lowering the relief; from the dowel hole on B we can measure that the piece of the lower drum projects 7 – 8 cm ahead of the upper one, similarly for the one below. The small band at the bottom of 90B, 91A and from there, with a boundary line that starts out straight then slants upward, the entire band up to the upper drum joint and right to the joint that runs vertically on the window’s right side, then left along the wall, then horizontally through same and diagonally through the legs of 1. While not guaranteed at all for this new part, we cannot exclude the possibility that what has just been described relied to a certain extent on the original relief. It is not impossible that, along with the men being cut down, the fate of the women, children and livestock was also depicted here, but there is one element capable of being considered genuine. Hence, nothing from it needs to be included in the description: so aberrant and tasteless, so unclear and disconnected is everything, and even on the left end of this piece not even the traces still visible are obeyed: the shaft on 13’s left arm can only be the end of cavalryman 16’s lance; furthermore, the so much smaller, modern figures only correspond in part and approximately to the worn out heads 18 – 22 projecting above the upper drum seam. Only the tip of 16’s lance has been kept and recycled, but its bearer’s head would have been much closer to it.

 

Scene LXXX (p. 80)

Die Quadermauer des Standlagers biegt links gerundet, rechts eckig um. Den geraden zinnenlosen obern Rand überragen zwei Zelte und dazwischen ein Garde­posten. Unten im Thor ist einer von der Leibgarde postiert und hat sein Augenmerk auf den Kaiser gerichtet, welcher, der Geheimhaltung wegen, mit zweien seiner Begleiter ausserhalb des Lagers sich berät. Standlager und darauf folgend in der nächsten Scene Überfahrt zu Schiff, dann Lagerbau, Allocutio und Brückenübergang, das scheint einen neuen Anfang im Laufe der dargestellten Ereignisse anzuzeigen. Hier ist, von dem grossen Spalt am Fenster ab, das obere Trommelstuck ausgerückt und weiter rechts auch seitlich verschoben.

 

The stonewall of the castrum (permanent camp) curves rounded to the left, squared to the right. Two tents stick out above its uncrenelated top and a sentry is seen between them. Below, in the gate, a member of the bodyguard is posted, with his eyes on the Emperor, who is conferring with two of his advisers outside the camp for secrecy’s sake. Permanent camp, followed in the next scene by a ship’s crossing, then more camp construction, allocutio and bridge crossing seems to signal a fresh start in the sequence of depicted events. Here the upper drum piece has moved forward, starting from the large crack by the window, and it has also shifted sideways farther to the right.

 

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Author: Petersen, Eugen (Eugen Adolf Hermann), 1836-1919.

 

Title: Die Marcus-säule auf Piazza Colonna in Rom, herausgegeben von Eugen Petersen, Alfred von Domaszewski, Guglielmo Calderini; mit CXXVIII Tafeln folio.

 

Format: Book

 

Published: München, F. Bruckmann a.g., 1896.

 

Description: 125 p. illus. (incl. ports., map) 39 cm. and atlas of 128 mounted pl. 50 cm.

 

Other contributors: Domaszewski, Alfred von, 1856-1927. Calderini, Guglielmo, 1837-1916. Mommsen, Theodor, 1817-1903.

 

Contents: Einleitung, von E. Petersen.--Der Marcomanen-krieg unter Kaiser Marcus, von T. Mommsen.--L'architettura della colonna, da G. Calderini.--Beschreibung der Bildwerke, von E. Petersen.--Erläuterung der Bildwerke, von A. von Domaszewski.

 

Subject headings: Column of Marcus Aurelius (Rome, Italy)

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Uploaded on December 11, 2013
Taken on December 10, 2013