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"1. Heterosexualität, Zweigeschlechtlichkeit und ein hierarchisches Geschlechterverhältnis sind die Grundelemente eines Vergesellschaftungsprozesses, in dem sich die meisten von uns als Mann oder Frau empfinden.

 

Unsere Geschlechterverhältnisse sind bestimmt von der Norm des heterosexuellen Begehrens, der Zweiteilung der Geschlechter sowie deren hierarchische Organisation. Diese drei Elemente stehen nicht unabhängig nebeneinander, sondern in einem Wechselverhältnis, in dem sie sich gegenseitig absichern. Heterosexualität bestätigt zum Beispiel immer wieder die scheinbar universale Zweiheit von Geschlechtlichkeit, wohingegen die Hierarchie der Geschlechter heterosexuelle Lebensverhältnisses immer wieder als die einzig gültigen einzusetzen weiß. Aus dem Zusammenwirken dieser Elemente entsteht das, was wir unsere Geschlechtermatrix nennen. Das ist das System, auf dem sich unser alltägliches Reden, Leben und Vorstellen von Geschlechtlichkeit abspielt. So ist zum Beispiel die Möglichkeit uns auszudrücken und über Geschlecht und Sexualität zu reden nur in einem Vokabular möglich, das in seiner Struktur auf der Voraussetzung der Zweigeschlechtlichkeit beruht. Es gibt nur zwei sexuelle Identitäten in unserer Sprache, "sie" und "ihn" und ebenso nur die darauf bezogenen Sexualitäten "hetero" und "homo". Die Geschlechtermatrix bestimmt, was uns an Geschlechtlichkeit überhaupt begrifflich und gedanklich vorstellbar werden kann und auch was hier als normal und was als Abweichung gilt, damit bestimmt sie letztlich, was lebbar ist und was nicht.

Die Absicherung der Geschlechtergrenzen vollzieht sich teilweise als offene körperliche Gewalt, mehrheitlich jedoch eher durch softere Technologien wie stigmatisierende Blicke, verweigerte Anerkennung oder Ausgrenzung. Dem Zwang geschlechtlicher Normierung begegnen wir in öffentlichen und in privaten Institutionen, genauso wie auf der Straße, zu Hause und in unseren Köpfen. Angefangen bei der Entscheidung für eine der beiden Toiletten im Café um die Ecke, bis über die Markierung eines Geschlechterkästchens bei einer simplen Buchbestellung im Internet, hin zur offiziellen Namensgebung auf dem Standesamt, sind wir beständig mit Mechanismen konfrontiert, die von uns geschlechtliche Eindeutigkeit erwarten. Natürlich werden diese Mechanismen von den einzelnen nicht als disziplinierende Normen wahrgenommen oder als bewusst repressive durchgeführt, vielmehr beruhen sie auf einem unhinterfragten Glauben an die Ordnung der Dinge. Repressionen, die Zweigeschlechtlichkeit betreffen, unterscheiden sich daher oftmals von anderen Formen der Repression. Beispielsweise bleibt die Gewalttätigkeit einer Abschiebung wohl kaum jemandem verborgen, wohingegen die Errichtung zweier Toilettenhäuschen kaum jemand als repressiven Akt empfinden wird.

Die Reproduktion dieser Geschlechtermatrix findet im Vergesellschaftungsprozess auf ökonomischer, politischer und kultureller Ebene statt. In diesem Vergesellschaftungsprozess werden wir und machen wir uns fortwährend zu sogenannten "Männern" und "Frauen". Und "Mann" oder "Frau" werden heißt hier, sich so anzufühlen und so zu verhalten wie eine/r, kurz: dieses Sein als authentisch zu erleben. Es wird daher nicht von heute auf morgen dadurch abgelegt, dass wir seine Konstruktion durchschauen oder sichtbar machen, denn diese Art zu Sein ist in unsere Körper und Köpfe eingelagert, in unserer Umgebung beständig präsent sowie in der Art und Weise in der wir angesprochen werden vorhanden. Der Versuch, sich einem geschlechtlichen Sein zu entziehen, ist ein schwieriger und anstrengender, aber auch lustvoller Prozess. Dieser Prozess kann sich nicht auf eine bessere, verloren gegangene Vergangenheit beziehen, auf einen natürlichen Körper vor der geschlechtlichen Konstruktion, sondern er muss nach vorne entworfen werden. Unsere Geschlechtskörper sind eine Aufführung ohne Vorlage, Kopien ohne Original. Wir wollen andere Aufführungen, andere Kopien!

Diese Versuche, sich der Geschlechtermatrix zu entziehen, nutzen die Brüche, Lücken und Ritzen, welche die beständige (Re-)Produktion unserer Geschlechter hinterlässt. Schwulen und Lesben ist es mittlerweile gelungen aus diesen Lücken Räume zu machen, so dass Homosexualität heute in Deutschland teilweise gesellschaftsfähig geworden ist, allerdings nur in dem Maße, wie sie dafür die Norm der Zweigeschlechtlichkeit akzeptiert hat. Tunten, Intersexen, Butches, Dykes, Kings und Queens, welche diese Binarität weiterhin in Frage stellen, leben daher immer noch an den gefährlichen Bruchstellen der Matrix, beständig unter der Gefahr der Ausschließung.

Nicht zuletzt aus den Erfahrungen mit der Schwulen- und Lesbenbewegung kommen wir zu dem Punkt, dass es vor allem die Binarität der Geschlechter ist, von der aus die Geschlechtermatrix geknackt werden muss. Dass die Binarität das zentrale Element bei der Aufrechterhaltung unserer Geschlechtermatrix ist, stimmt auch mit unserer Erfahrung überein, dass die Normen zur Regulation hier am unflexibelsten und rigidesten sind.

 

2. Mann oder Frau zu sein wird in Bezug auf den Körper empfunden. Was wir als diesen Körper leben, ist ein Bündel verschiedener Techniken, das nachträglich als natürlich konstruiert wird. Doch ein Körper ist ein Gesellschaftskörper und kein Biokörper.

 

Was wir alltäglich als Körper leben, ist eine Menge mehr als der Unterschied zwischen zwei Genitalien. Unser Körper ist eine Summe verschiedener Techniken und Praxen, die eine Kohärenz zwischen dem was wir biologisches Geschlecht, Geschlechtsidentität und Begehren nennen, herstellen. Dabei wird immer wieder versucht, die Eigenschaften von letzten beiden in ersteres einzulagern, so dass im Patriarchat scheinbar alle Differenzen zwischen den beiden Geschlechtern aus einem Biokörper abgeleitet werden können. Wir unterscheiden zwischen drei Ursprungserzählungen, die jeweils das biologische Geschlecht in den Mittelpunkt stellen: eine wissenschaftliche, eine metaphysische und eine materialistische. Da wird unser Körper einmal von medizinischer, biologischer oder psychoanalytischer Seite als radikal verschieden bestimmt, sei es in Bezug auf die Genetik, auf seine organische Konstitution oder den Penismangel. Ein andermal handelt es sich um eine höhere Ordnung, die von je her vorgesehen in unsere Seelen und in unser Fleisch eingelagert ist. Und zu guter letzt stehen dann die Erklärungen, die aus Gebärfähigkeit oder Körperkraft die Historie in ihrer ursprünglichen Arbeitsteilung entschlüsseln. Jeder dieser Bereiche erweist sich bei genauerer Analyse als ideologische Konstruktion zur Aufrechterhaltung unserer gegenwärtigen Geschlechterordnung.

Dagegen setzen wir ein Verständnis von Körper, das dem gesellschaftlich-imaginären Anteil seiner Konstitution gerecht werden soll. Körper existieren für uns vor allem durch Verhaltensweisen, die in diesen eingelagert sind, sowie durch alle die Verhältnisse, in die Körper eingespannt sind. Körper sind eine Existenzweise, die sich durch verschiedene Felder wie Sprache, Verhalten, Kosmetik und Gestik zieht. Ein Körper ist immer ein Zusammenspiel aus diesen Elementen, und ein heteronormativer männlicher oder weiblicher Körper ist ein spezifisches Zusammenspiel, eine spezifische Konfiguration dieser Elemente. Körper, die von diesem Spiel abweichen, sind nicht mehr in den Begriffen von Mann und Frau zu fassen, sie entziehen sich ihrem Zugriff. Für uns sind sie neue und andere Körper. Wenn wir zu einem Verständnis der gesellschaftlichen Dimension dessen, was ein Körper ist, kommen, dann wird deutlich, dass wir unseren Körper umgestalten können, dass er keine feste Einheit, sondern immer Prozess ist.

 

3. In unserer Gesellschaft ist vielfach kein Platz für Menschen, die nicht in das herkömmliche Körperschema von Mann und Frau hineinpassen. Wer_Welche* nicht in dieses System passt, wird entweder ausgegrenzt oder mit verschiedenen Mitteln wieder in dieses Schema gezwungen. Der Zwang zur Zweigeschlechtlichkeit stellt mühsam immer wieder das her, was er als vorgeblich natürlich vertritt.

 

In unserer Gesellschaft erscheint Zweigeschlechtlichkeit als ein natürliches Verhältnis. Da gibt es die, durch sämtliche Medien rund um die Uhr vermittelten Geschlechterbilder, die zur Identifikation aufrufen, da gibt es die administrativen Kästchen "Mann" und "Frau", die bei nahezu jedem Behördengang und sonstigen Registrierungen ausgefüllt werden müssen, und da gibt es unsere Sprache, die nur von zwei Geschlechtern zu sprechen weiß. Wir reproduzieren alle tagtäglich diese uns ansozialisierten Ansichten darüber, wie und was Frauen und Männer sind. Das fängt allein dabei an, wo wir eine nicht eindeutig einzuordnende Person auf der Straße treffen und anfangen zu grübeln, ob diese nun Mann oder Frau war/ist, wo wir beginnen einzuschubladen und auszusortieren weil wir wissen, was eine Frau und ein Mann ist und auch was sie sein sollen. Wo Zweigeschlechtlichkeit als natürlichste Sache der Welt erscheint, ist alles, was aus diesem Rahmen fällt, anders, abartig und unnatürlich.

Der Zwang zur Zweigeschlechtlichkeit setzt sich auf diesem Hintergrund in allen gesellschaftlichen Institutionen durch. Mit Hilfe von Psychiatrisierung, staatlicher Normierung oder alltäglicher Gewalt und Unterdrückung wird die "natürliche" Ordnung immer wieder als natürliche bestätigt. Durch Ab- und Ausgrenzung kann die gesellschaftliche Norm sich ihrer Normalität versichern, indem sie sich immer wieder diesem "anderen" gegenüber neu definiert und bestätigt. Zu diesen „Anderen“ gehören sowohl Transsexen, Intersexen, Kings, Queens, AlltagsTransen, Queers, als auch alle, die sich irgendwie mit ihrer alltäglichen Rolle als Frau oder Mann nicht zufrieden geben wollen und sich irgendwie anders performen.

Die Mechanismen, die diese unbändigen Subjekte unter Kontrolle halten sollen, reichen auf der "soften" Seite vom missliebigen Blick, über das kleinere Stück Bockwurst oder Döner bis zum Entzug von Zuneigung und Anerkennung. Dagegen steht die "harte Tour", die von schwachen Sprüchen gegen "Schwuchteln" und "Mannsweiber", über körperliche Gewalt gegen "Perverse" bis zu Operationen gegen "abnormale" Kinder führt. Gewalt hat viele Gesichter, hier können nur einige erwähnt sein. Wer_Welche als geschlechtlich uneindeutig seinen Alltag führt, der_die kennt die kleinen und großen Techniken der Macht, die immer wieder dafür sorgen, dass ich, du oder sie auch das sind was allein sein darf. Immer wieder werden uns jene lustvollen Körper, Sexualitäten und Geschlechtsaufführungen untersagt, die jenseits der öden Heteroordnung liegen.

Statt die Pluralität der Geschlechter anzuerkennen, werden Intersexen schon in ihren ersten Lebensjahren in ein Geschlecht gezwungen, über das die Ärzte zusammen mit den Eltern entscheiden. Operativ wird dann jener genormte Geschlechtskörper hergestellt, der allein sein darf. Damit werden allein in Deutschland 82000 Körper, Sexualitäten und Liebesspiele verunmöglicht, blockiert und unterdrückt. So werden diese Kinder dann durch die Summe der Vergeschlechtlichungsprozesse, die wir alle durchlaufen haben und die uns zu Männern und Frauen machen, zu "richtigen" Mädchen und Jungen.

 

4. Das binäre Geschlechterverhältnis ist im Patriarchat hierarchisch organisiert. Kapitalistische Wertproduktion hat grundlegend zu Hierarchisierung, Heterosexualisierung und Binarisierung dieses Verhältnisses beigetragen.

 

Das zweigeschlechtliche, heterosexuelle Verhältnis ist im Patriarchat durch Unterdrückung und Ausbeutung gekennzeichnet. Die "erste Welle" und auch die "Neue Welle" der Frauenbewegung konnten zwar rechtliche Veränderungen herbeiführen, doch darunter so etwas wie Gleichstellung zu verstehen übersieht, dass Herrschaft nicht nur auf einer institutionellen Ebene stattfindet. Was gesetzlich als Gleichberechtigung verankert ist, wird von ökonomischen und alltäglichen Regulationsmechanismen wieder unterlaufen. Frauen werden, gerade auch heute wieder durch den Umbau des Sozialsystems, in eine untergeordnete Stellung abgedrängt.

Die Produktionsverhältnisse des Kapitalismus haben entscheidend zur Festigung des hierarchischen Geschlechterverhältnisses beigetragen. Mit der Entstehung des Kapitalismus und dem Aufstieg der bürgerlichen Klasse ist auch die Entstehung des Gegensatzes von Öffentlich und Privat im 18.Jh. sowie die Vorstellung von sozialer Gleichheit verbunden. In die Zeit der Herausbildung dieses Gegensatzes fällt auch die Entstehung des Zwei-Geschlechter-Modells. Denn wenn die Frau nicht mehr von einer überweltlichen Ordnung in eine untergeordnete Position verdrängt wird, dann muss ihr inferiorer Status von einer anderen Seite her begründet werden. Der Seite der Biologie. In dem Moment als die Vorstellungen von Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit ihren Siegeszug antreten wird das Geschlecht in den Körper eingelagert. Die seit der Antike herrschende Vorstellung, das die zwei Geschlechter Mann und Weib im gleichen Leibe wohnen ist damit an ihr Ende gekommen

Als Paradebeispiel sei hier an die (europäisch-amerikanische) fordistische Produktion der 50er und 60er und die an sie gekoppelte Kleinfamilie verwiesen. In diesem Produktionsverhältnis wird die Frau durch ihre Kopplung an das Familienmodell fast vollständig ins Private verdrängt. Der Mann als alleiniger Familienernährer ist vollständig für die Sphäre des öffentlichen, des Tauschs zuständig. In diesem Verhältnis eignet sich der Mann die materielle, emotionale und sexuelle Reproduktionsarbeit der Frau an, für die er nicht einmal zu bezahlen verpflichtet ist. Seine Stellung funktioniert nur aufgrund dieser mehr oder weniger verleugneten Abhängigkeit zur Arbeit der Frau. In dieser Ordnung sind z.B. lesbische Lebensgemeinschaften schon aus rein ökonomischen Abhängigkeitsgründen blockiert.

Mit dem Einsetzen des Postfordismus haben sich die Produktionsverhältnisse des Kapitalismus erneut verändert. Die Flexibilisierung der Produktion und die Intensivierung der Warenförmigkeit hat im Zusammenspiel mit sozialen Bewegungen die Anerkennung neuer Lebensformen mit sich gebracht. Die traditionelle Arbeitsteilung und die Trennung von Öffentlich und Privat verschwinden in diesem Prozess zunehmend. Dafür sind schwule und lesbische Pärchen, die meist "Doppelverdiener" sind, als zahlungskräftige Kunden entdeckt worden. Die einhergehende Institutionalisierung der Bewegung bis hin zur "Homoehe" ist als Aufbegehren gegen eine Zwangsheterosexualität zwar erfolgreich, jedoch nur um den Preis, im gleichen Zug Zweigeschlechtlichkeit sowie bürgerliche Lebensformen zu festigen.

Heute stehen wir vor dem Dilemma, das mit einem zunehmend flexibleren Kapitalismus verschiedene, einander entgegengesetzte Bewegungen einhergehen. Auf der einen Seite die Flexibilisierung der althergebrachten Geschlechterrollen und der Beginn der Anerkennung neuer Geschlechter, und auf der anderen Seite die Zementierung der Geschlechterordnung durch Arbeitsverhältnisse, bei denen Frauen in den Niedriglohnsektor als Zuverdienerinnen abgedrängt werden, gleichzeitig jedoch in der Kinderbetreuung (die zumeist eben noch von Frauen vollzogen wird) nicht entlastet und mit der Verlagerung der Pflege ins Haus sogar noch zusätzlich belastet werden. Nach wie vor sind die Durchschnittslöhne in Deutschland bei gleicher Arbeit für Frauen niedriger als die für Männer. Lohnarbeit bleibt einmal mehr Ausdruck und Ursache eines hierarchischen und binären Geschlechterverhältnisses.

 

5. Unsere Geschlechtermatrix ist auf ein Wissen angewiesen, das sie legitimiert. Das zirkulierende Wissen und damit auch das Wissen über Geschlecht wird von Männern akkumuliert, codiert und verwaltet.

 

Unser ökonomisches Verhältnis hat die traditionelle Vorherrschaft des Mannes im Bereich der Wissensproduktion zur Folge. Die Kontrolle nahezu der gesamten akademische Sphäre, in der Wissen akkumuliert und codiert wird, fällt den Männern zu. Wissen über Lebensverhältnisse, Bedürfnisse und Situation von Frauen, Transgenders oder Migrantinnen ist daher auch fast immer aus dieser privilegierten Position angehäuft worden. Das hat zur Folge, dass die Position der Frau allein vom Mann aus gedacht wird, der Mann bildet das normative Zentrum des Wissensuniversums. Alles, was außerhalb dieses Zentrums liegt, kann nur im Verhältnis zu diesem bestimmt werden, so dass es in dieser Relation immer das minderwertige und mangelhafte sein wird.

Exemplarisch mag hier Freud stehen: Freuds Annahmen beruhen auf der bisexuellen Veranlagung des Kindes. Er gibt an, dass sich die sexuelle Ausrichtung des kleinen Mädchens und des kleinen Jungen in der frühen Phasen der Libidoentwicklung – der oralen und analen Phase - in gleicher Weise gestalten. Ihren Höhepunkt erreicht diese Entwicklung in der anschließenden phallischen Phase, hier, so Freud, "treten die Unterschiede der Geschlechter vollends gegen die Übereinstimmung zurück." Der Junge verhält sich wie ein Mädchen und das Mädchen wie ein Junge - so könnte mensch daraus schließen, doch bei Freud kommt es ganz anders, er erklärt uns: "Wir müssen anerkennen, das kleine Mädchen sei ein kleiner Mann." Die Übereinstimmung der Geschlechter, von der Freud spricht, heißt also nicht mehr als dass das kleine Mädchen ein kleiner Junge ist. Warum der kleine Junge sich nicht wie eine kleine Frau verhalten sollte, darüber gibt Freud keine Auskunft, denn der einzige normative Maßstab den er anwendet und kennt, ist derjenige der Männlichkeit. Folglich also, wenn Freud von den "geringen Unterschieden" der frühen Libidoentwicklung spricht, in der beide Geschlechter fast, aber noch nicht ganz gleich sind, dann ist damit gemeint, dass das kleine Mädchen nahezu wie der kleine Junge ist, dass es noch an sich arbeiten muss und dass es noch nicht an dem Punkt angekommen ist, den es erst mit dem Eintritt in die phallische Phase erreichen wird: ein kleiner Mann zu sein. Die gleiche Entwicklung der Geschlechter ist für Freud nichts anderes als die einer einzigen männliche Entwicklung. Wenn mensch sich nun derart versichert hat, dass die Entwicklung des kleinen Mädchens allein als die eines kleinen Jungen zu verstehen ist, dann wird die Klitoris zu nichts anderem als einem kleinen Penis. Weit davon entfernt ein eigenständiges Organ, mit eigener Lust und eigenen Möglichkeiten zu sein, ist die Klitoris am Ideal männlicher Selbstherrlichkeit gemessen nichts anderes als ein verkümmertes Genital. Die masturbatorischen Akte, die das kleine Mädchen vollzieht, sind von da her immer nur Nachahmungen einer vollkommeneren männlichen Sexualität, Nachahmungen die aufgrund der minderwertigen Ausgangsbedingungen nie denselben Grad an (männlicher) Vollkommenheit erreichen können.

In diesem männlich dominierten Sichtweise wurde Frauen- und FrauenLesbengeschichte nahezu unsichtbar gemacht. Unser heutiges (Alltags-)Wissen ist ein Wissen, das bis heute von einem männlichen Geschlecht dominiert ist. In diesem Arrangement ist die Frau, der King oder die Queen immer das andere, minderwertige, mangelhafte. Lebensrealität werden so gar nicht wahrgenommen oder sollte dies doch der Fall sein, dann schon gar nicht respektiert.

Die Matrix, in der unsere verschiedenen Körper zugänglich werden, kennt zwar durchaus zwei verschiedene Geschlechtskörper, jedoch werden diese immer nur von einem Zentrum aus gedacht. Es gibt nur eine normative Folie, von der aus alle anderen Gestalten als mangelhafte Abweichung gedacht werden: der weiße heterosexuelle Mann. Damit gibt es, provokant gesagt, immer nur ein Geschlecht. Wir sind dagegen.

 

Kein Geschlecht oder viele!

Radikal Geschlechtern!

A.G.GENDER-KILLER"

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