Zur Kunst von Rainer Röschke

 

Gestalten von Räumen, Räumen eine neue Gestalt geben, Architektur die Gren-

zen sprengt, Grenzen zwischen Architektur und bildender Kunst finden und überschreiten. So könnte man mit kurzen Stichworten diesen Ausschnitt aus Rainer Röschkes Schaffen bezeichnen.

Als Künstler setzt er sich immer wieder mit Tabus und Grenzverletzungen auseinan- der , macht sie sichtbar, subtil und ohne erhobenen Zeigefinger, und gibt uns die Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit unseren eigenen Tabus und

Grenzen.

Wände besitzen auf einmal Ecken und Kanten, wo normalerweise Gradlinigkeit vorherrscht. Teppiche wachsen Wände empor, wo sie doch auf dem Boden bleiben sollen. Steckdosen erhalten eine bunte, heitere Farbigkeit, wo sie blütenweiß genauso viel Strom spenden. Der Raum verliert den Charakter einer Schachtel, in der wir uns bewegen und aufpassen, daß wir nicht gegen Hindernisse wie Schränke, Stühle und anderes Mobiliar rennen, sondern wird Erlebniswelt. Er irritiert uns durch seine Klarheit und Stimmigkeit, macht aber gleichzeitig neugierig und Lustauf Entdek-kungsreise zu gehen, alle Einzelheiten und versteckten Details zu finden. Er lädt ein zum Verweilen und lässt fast den Grund des eigentlichen Besuches vergessen.

Rainer Röschke versucht die Eigentümlichkeit eines Raumes mit seiner Funktion und Form zu erfassen und mit seinen künstlerischen Mitteln zu interpretieren.Schnittlinien der Geometrie des Raumes werden sichtbar gemacht durch auffälige Details, die einem ins Auge springen und wie in den Raum komponiert wirken; seien es farbliche Akzente im Teppich oder aus den Wänden wuchernde Vorsprünge. Mit traum-wandlerischer Sicherheit plaziert er alle Einzelteile genau dort, wo sie hingehören, um eine harmonische Wirkung ohne Langeweile zu erzielen.Diese Sicherheit im Umgang mit Detail und Gesamtbild, zeigt sich nichtzuletzt auch in seinem zeich-nerischen Können, das sich in seinen Collagen präsentiert.

Rainer Röschke hat für seine Form des Arbeitens den Begriff Additionismus geprägt. Seine Kunst setzt sich aus vielen Einzelteilen zusammen und spricht die unterschied-lichsten Ebenen an, doch immer ergibt sich eine Gesamtwirkung, die Einmalig und unverwechselbar ist. Jede einzelne Arbeit steht zwar für sich, bekommt aber im Gesamtkontext seine spezielle Bedeutung. grenzen zwischen Kunst, Design und Architektur werden bedeutungslos, was bleibt ist ein Gesamtkunstwerk.

 

Gerhard Stiglmair

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