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Rüdersdorf

Wichtige Berliner Bauten wie Reichstag, Brandenburger Tor und Olympiastadion sind mit Steinen erbaut, die aus Rüdersdorf stammen.

 

Bereits seit dem 13. Jahrhundert wird hier Kalksandstein abgebaut.

 

Kalkbrennereien wurden 1885 eingerichtet und können bis heute im Freilichtmuseum begangen werden. www.museumspark.de

 

Zwischenzeitlich gab es hier die größte Produktion von Zement an einem Standort weltweit. Einer der Firmen, die sich hier engagierten war die PeussAG.

 

Die Arbeitsbedingungen waren so hart, die Staubbelastung so immens, dass es große Probleme gab Arbeiter für diese Arbeit zu gewinnen.

 

So wurden im zweiten Weltkrieg bereits erste Zwangsarbeitslager eingerichtet. Nach dem Sieg über Hitlerdeutschland wurden solche Arbeitslager von den Sowjets betrieben.

 

Waren hier zunächst Nazis und KZ-Mitarbeiter untergebracht, die zur Demontage der Anlagen eingesetzt wurden, so arbeiteten hier bald auch normale Kriegsgefangene.

Arbeit war in der UDSSR Pflicht: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!“. Hier unterschieden sich Nationalsozialismus und real existierender Sozialismus nicht.

 

Zwar war die physische Vernichtung grundsätzlich nicht direkt beabsichtigt, sie wurde aber billigend in Kauf genommen.

 

Die Arbeit als Maßnahme im DDR Strafvollzug sollte vor allem erzieherischen Charakter haben. Kein arbeitsfähiger Bürger sollte auf Kosten der Arbeit anderer leben können – auch nicht im Gefängnis. Hier folgte die SED den aus der Vorzeit vorgelebten Traditionen des Faschismus.

 

In diesem Zusammenhang wurden die Haftbedingungen auch ganz gezielt mit militärisch Drill versehen.

 

Bürger der DDR hatten sich, so die Auffassung der Staatsoberen der Gemeinschaft unterzuordnen. Die individuellen Interessen, Neigungen und Bedürfnisse waren dem Gesellschaftsziel, dem Kollektiv unterzuordnen. Dies ist ohne Ausübung eines gewissen Zwangs wohl kaum zu erreichen.

 

Die Sozialismusvordenker in der DDR erwarteten allerdings, dass dieser Zwang irgendwann als Freude und Glück empfunden worden wäre. Fantasy-Filme wie „Die Bestimmung“ (Divergent) sind heute ganz aktuelle und zeigen, wie solche Systeme funktionieren sollen – bzw. woran diese Systeme scheitern.

 

Im November 1966 wurde in Rüdersdorf – zusätzlich zum bereits bestehenden Arbeitslager – ein weiteres Arbeitserziehungslager für Jugendliche eingerichtet. Die Bedingungen für die Insassen waren weit härter, als die im berüchtigten „geschlossenen Jugendwerkhof Torgau“.

 

Die Anlage von gerade mal 50 * 70 Metern war für 45 Jugendliche zwischen 14-18 Jahre vorgesehen. Sie wurde durch einen hohen Bretterzaun und einen Laufgang mit Hunden gesichert. Die „Verbrechen“ der Opfer: „Arbeitsbummelei“ und „Rowdytum“.

 

In der Praxis reichte es da schon, zu laut RIAS gehört zu haben, lange Haare zu tragen und/oder in der Öffentlichkeit die - von Mielke so verhasste -Beatmusik gehört zu haben.

Ziel war es Exempel zu statuieren, andere Jugendliche abzuschrecken und die Opfer zu brechen.

 

Neben Mielke war auch die Ministerin für Volksbildung, Margot Honecker involviert. Gemeinsam wurde hierzu die Jugendhilfeverordnung vom 3.März 1966 verfasst, die es erlaubte Jugendliche ohne Gerichtsverfahren, auch auf nur mündliche Anweisung von Staatsanwälten, Polizei oder Jugendhilfe bis zu acht Wochen zu inhaftieren.

 

Auch für diese jugendlichen Häftlinge war Arbeit im Lager Pflicht, die älteren mussten in den Berüchtigten Betonwerken arbeiten, die teilweise ausschließlich mit Arbeitern aus dem großen Arbeitslagern belegt waren.

 

Durch Unfälle bei der Arbeit kamen auch minderjährige Jugendliche in diesem Werk um. Die psychischen und physischen Folgeschäden waren erheblich. Weitere häufige Krankheiten waren/sind Lungen-, Leber- und Gehirnkrebs.

 

Das dieses jugendliche Arbeitslager selbst nach DDR Recht ungesetzlich war, gilt heute als sicher, auch wenn Arbeitslager generell durch Artikel 137 der Verfassung von 1949 ermöglicht wurden.

 

Diese Einsicht hatten dann wohl auch die einen oder anderen Verantwortlichen in der DDR, sodass - zumindest das Jugendlichen-Lager - im Oktober 1967 geschlossen wurde.

 

Dieser Artikel basiert auf Internetrecherchen und u.a. auf den Bericht der Bundesstiftung-Aufarbeitung

 

www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&so...

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Uploaded on July 31, 2015
Taken on November 8, 2014