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O Jesu, mein Herzbräutigam

Photo: Grabstein auf dem Nordfriedhof in Wiesbaden

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O Jesu, mein Herzbräutigam

 

1.) O Jesu, mein Herzbräutigam

Hilf mir durch deine Wunden,

Du stärkster Fels aus Davids Stamm,

Weil ich mit dir verbunden,

Dass ich mich von dir trenne nicht.

Dass ich von deinem Angesicht

Nicht dort auch müsse scheiden.

 

2.) O Jesu, mein Herzbräutigam,

Hast mich zur Braut erkoren!

Ich bin mir billig selber gram,

Dass ich dich oft verloren.

Ach, leite mich nach deinem Wort,

Und mich ergötze hier und dort,

Dort will ich dir es danken!

 

3.) O Jesu, mein Herzbräutigam,

Mein höchster Schatz auf Erden,

Was ist im Lande Sem und Ham, (a)

Das mir nicht müsse werden,

Ach, gib mir nur noch eine Gab'.

Wenn ich erkenne, was ich hab,

Wird mir nie nichts gebrechen.

 

4.) O Jesu, mein Herzbräutigam,

Wie hast du mich ergötzet.

Dich selber, Gottes wahres Lamm,

Mir zur Speis aufgesetzet.

Ach, gib mir Heldenkraft und Mut,

Dass ich auch bei dir Gut und Blut

Im Notfall lern aufsetzen.

 

5.) O Jesu, mein Herzbräutigam,

Wie kannst du mich so loben?

Da ich verdienet Zorn und Gram

Und dich nie recht erhoben?

Dein ist mein Lob, und was ich bin,

Den Sinn erhalt mir bis dorthin:

Dort will ich es einbringen.

 

6.) O Jesu, mein Herzbräutigam,

Wie klar bist du zu sehen!

Du schönster Zweig aus Jesse Stamm

Du wirst mir nie vergehen!

Wachs du und steige aus der Erd,

Ein Siegs-Panier (b) mein Kreuze werd',

Dem Lebensbaume gleiche.

 

7.) O Jesu, mein Herzbräutigam,

Der du vom Tod erstanden,

Wie hoch und herrlich ist dein Nam'

Und Ruhm in allen Landen.

Du bist nach welt-gemeinem Lauf

Von uns genommen weg und auf (c)

Und doch bei uns zugegen.

 

8.) O Jesu, mein Herzbräutigam,

Bleibt du uns doch zugegen,

Du, der uns stets zu Hilfe kam,

Und halfst mit deinem Segen.

Hilf, dass wir deiner Gegenwart

Uns trösten in der Glaubensfahrt,

Wo wir uns auch bewegen.

 

9.) O Jesu, mein Herzbräutigam,

Mein hochgeborner König,

So rein und tröstlich ist dein Nam',

Bin ich mir gleich zu wenig,

Beständig sein in Lieb' und Leid,

Dass ich dann mög' nach dieser Zeit

Bei dir einst ewig leben.

 

(a) Sem und Ham

(b) Panier: Fahne

(c) Du bist uns durch den Tod

weggenommen und aufgefahren zum Himmel

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Autor: Martin Rinckart

Melodie: Allein Gott in der Höh sei Ehr

oder: Such wer da will ein ander Ziel

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die Strophen 6 - 9 wurden von mir für diese Ver-

öffentlichung eingerichtet und z. T. umgedichtet

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gefunden in:

Martin Rinkarts Geistliche Lieder

Herausgeber: Johannes Link

verlegt bei Friedrich Andreas Perthes

Gotha, 1886

Thema: Offenbarung

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Martin Rinckart (* 24. April 1586 in Eilenburg bei Leipzig in Sachsen; † 8. Dezember 1649 ebenda) war ein deutscher Dichter, evangelischer Theologe und Kirchenmusiker der Barockzeit.

Rinckart, Sohn eines Böttchers, wurde 1601 Thomasschüler in Leipzig, 1604 Mitglied des Thomanerchores, gleichzeitig (seit 1602) studierte er Theologie und Philosophie an der Leipziger Universität. 1610 wurde er Kantor an St. Nikolai in Eisleben und Lehrer an der dortigen Lateinschule, 1611 Diakonus ebenda an der St.-Annen-Kirche, Ende 1613 Pfarrer im nahegelegenen Erdeborn. 1615 zum 'Poeta laureatus' gekrönt, erwarb er im darauf folgenden Jahr die Magisterwürde. 1617 wurde er als Archidiakonus in seine Vaterstadt Eilenburg berufen; hier wirkte er während des Dreißigjährigen Krieges unter großen Nöten. Mehrmals bewahrte Rinckart Eilenburg im Krieg vor der Brandschatzung, so unter anderem 1639 als schwedische Truppen die Stadt überfallen hatten und utopische Summen forderten. Als nichts sie erweichen konnte, rief Rinckart die Einwohner zu einer Fürbitte zusammen: 'Kommt her ihr lieben Kirchenkinder, wir haben bei Menschen kein Gehör und keine Gnade mehr, wir wollen mit Gott reden.' Die Menschen beteten und sangen. Tief beeindruckt zogen die Schweden daraufhin ab. Von seinen vielen Schriften und Lieddichtungen blieb vor allem das weltweit bekannte und beliebte Kirchenlied 'Nun danket alle Gott' lebendig. 1630 zur Hundertjahrfeier der 'Augsburger Konfession' geschrieben, erschien der Text erstmals im Anhang zu seinem 'Jesu Herzbüchlein', das 1636 in Leipzig veröffentlicht wurde, während die Melodie erstmals 1647 in Johann Crügers Gesangbuch 'Praxis pietatis melica' erschien. Nachhaltige Berühmtheit erhielt das Lied als 'Choral von Leuthen', nachdem am Abend der Schlacht von Leuthen die überlebenden preußischen Soldaten Rinckarts Lied anstimmten.

Rinckart schrieb sieben Lutherdramen. 'Hohe Bewunderung und Liebe für Luther, dessen Lehre, Leben und Wandel ihm vorbildlich geworden war', bildeten wohl den Hintergrund dafür. Nur drei der sieben Stücke sind erschienen und überliefert: 'Der Eißlebische Christliche Ritter' (1613), 'Indulgentiarius Eisslebische Mansfeldische Jubel-Comoedia von der Beschämung Johann Tetzels' (1618) und 'Monetarius Der Müntzerische Bawren-Krieg' (1625).

Im Mittelpunkt des Dramas 'Der Eißlebische Christliche Ritter' stehen die drei Brüder Peter (Papsttum), Johannes (Kalvinismus) und Martin (Luthertum), die die zerstrittenen Konfessionen verkörpern. Lessing diente dieses Drama in seinem Stück 'Nathan der Weise' als Vorlage für seine berühmte 'Ringparabel'.

Nur ein Jahr nach den Friedensschlüssen von Münster und Osnabrück starb Martin Rinckart am 8. Dezember 1649 in seiner Heimatstadt Eilenburg, wo er in der St.-Nicolai-Kirche begraben wurde.

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Martin Rinkart, or Rinckart (23 April 1586 – 8 December 1649) was a German clergyman and hymnist. He is best known for the text to 'Now thank we all our God' (Nun danket alle Gott), which was written ca. 1636. It was set to music by Johann Crüger about 1647, and translated into English in the 19th century by Catherine Winkworth.

Rinkart was a deacon at Eisleben and archdeacon at Eilenburg, where he was born and also died. He served there during the Thirty Years' War and a severe plague in 1637.

German pastor Martin Rinkart served in the walled town of Eilenburg during the horrors of the Thirty Years War of 1618-1648. Eilenburg became an overcrowded refuge for the surrounding area. The fugitives suffered from epidemic and famine. At the beginning of 1637, the year of the Great Pestilence, there were four ministers in Eilenburg. But one abandoned his post for healthier areas and could not be persuaded to return. Pastor Rinkhart officiated at the funerals of the other two. As the only pastor left, he often conducted services for as many as 40 to 50 persons a day—some 4,480 in all. In May of that year, his own wife died. By the end of the year, the refugees had to be buried in trenches without services.

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Uploaded on November 11, 2012
Taken on October 3, 2012