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Lobet Gott im Heiligtum

Orgel der evangelischen Bergkirche in Wiesbaden

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Lobet Gott im Heiligtum

 

Das zweiundzwanzigste erbauliche Lied

 

1.) Lobet Gott im Heiligtum,

Preiset seine Taten,

Lasset ja des Schöpfers Ruhm

Trefflich wohl geraten.

Lobet ihn mit Saitenspiel

Und mit hellen Pfeifen.

Ei, man kann jetzt nicht zu viel

In die Orgeln greifen.

 

2.) Wenn die süße Laute klingt,

Wenn die Harf' erschallet,

Wenn der Kapelliste singt,

Wenn die Pauke knallet,

Wenn der Geiger lieblich streicht,

Wenn Posaunen prangen,

Denn wird fast ein Fels erweicht,

Seel' und Herz gefangen.

 

3.) Aber, o der Eitelkeit,

Die dies arme Leben

Gleichwohl nur so kurze Zeit

Kläglich hat umgeben!

Ist das Lied gleich noch so gut,

Läuft's doch bald zum Ende.

Auch was sonst der Künstler tut,

Fliegt davon behende.

 

4.) Aber dort in Zions Stadt (a)

Soll es anders klingen,

Da man nimmer müd' und satt

Werden kann vom singen,

Wo der Auserwählten Schar

Stündlich neue Lieder

Dichten wird, auch immerdar

Springen hin und wieder.

 

5.) Kinder werden den Diskant

Freudig lassen schallen,

Und was sonst der Alt genannt,

Solches wird gefallen

Jünglingen und Jungfräulein.

Männer sollen fassen

Den Tenor, den Bass gar rein

Nur den Alten lassen.

 

6.) Niemand wird da lass (b) noch matt,

Unsern Gott zu preisen.

Man erdenkt in Zions Stadt

Täglich neue Weisen.

Einer mahnt den andern an:

Lasst uns Gott lobsingen

Und nur dem, der alles kann,

Freudenopfer bringen.

 

7.) Jauchzet, jauchzet, alle Welt,

Lobt Gott, alle Heiden!

Ehr' und Dank werd' ihm bestellt,

Dienet ihm mit Freuden!

Harfen, Pauken, Psalterspiel,

Flöten, Lauten, Geigen

Und der Instrumenten viel

Sollen nimmer schweigen.

 

8.) Sing, o Welt, nach deinem Wahn

Nur von solchen Sachen,

Welch ein tapfrer Held getan:

Ich will's anders machen.

Kräftig will ich meinen Geist

Durch ein Lied ergötzen,

Das man hoch erbaulich heißt,

Das für Gold zu schätzen.

 

9.) Liebster Jesu, lass mich doch

Deine Freude schmecken!

Ach, zerbrich mein Unglücksjoch,

Lass dein Blut bedecken

Meine Schuld und Missetat,

Lass mich dich erheben,

Wo dein Lob kein' Endschaft hat,

Dort im Freudenleben!

 

(a) das himmlische Jerusalem

(b) nachlässig

 

 

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Text: Johann Rist

Melodie: Christus, der uns selig macht

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gefunden in:

A. Fischer / W. Tümpel:

Das deutsche evangelische Kirchenlied des 17. Jahrhunderts,

Band 2, Hildesheim 1964.

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Der Text wurde von mir behutsam, soweit

es die Strophenform und der Endreim zu-

ließen, in heutiges Hochdeutsch übertragen

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Johann Rist (* 8. März 1607 in Ottensen (heute Stadtteil von Hamburg); † 31. August 1667 in Wedel (Holstein)) war ein deutscher Dichter, Kirchenlieddichter und evangelisch-lutherischer Prediger.

Rist war der Sohn des aus Nördlingen stammenden evangelischen Pastors in Ottensen Caspar Rist und seiner Ehefrau Margarethe Ringemuth. Nach erstem Unterricht durch den Vater besuchte Rist das Johanneum in Hamburg; später dann das Gymnasium in Bremen.

An der Universität Rinteln studierte Rist Theologie u.a. bei Johannes Gisenius und Josua Stegmann. Um 1626 wechselte er an die Universität Rostock. Nach dem Studium ging Rist nach Hamburg zu seinem Rostocker Kommilitonen Ernst Stapel. Mit diesem schrieb und publizierte er Theaterstücke und trat auch selbst als Darsteller auf.

1633 wurde Rist Hauslehrer beim Landschreiber Heinrich Sager in Heide. Im gleichen Jahr verlobte er sich mit Elisabeth Stapel, der Schwester des früh verstorbenen Freundes Ernst Stapel und des Pinneberger Amtmanns Franz Stapel. Durch Hilfe des letzteren wurde er im Frühjahr 1635 zum Pastor im damals dänischen Wedel an der Unterelbe nahe Hamburg berufen. Kurz nach seinem Amtsantritt heiratete Rist seine Verlobte. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor, von denen zwei früh verstarben.

Beim Einfall der Schweden unter General Lennart Torstensson im Torstenssonkrieg, während des Dreißigjährigen Krieges, verlor Rist durch Plünderungen seine wertvolle Bibliothek. Im Zweiten Nordischen Krieg verlor Rist 1658 noch einmal alles Hab und Gut und musste mit seiner Familie nach Hamburg flüchten. Nachdem 1662 seine Frau Elisabeth gestorben war, heiratete Rist zwei Jahre später Anna Hagedorn, geb. Badenhop, die Witwe seines 1660 verstorbenen Freundes Johann Philipp Hagedorn; sie starb 1680.

Ab 1663 veröffentlichte Rist in lockerer Folge sechs Monatsgespräche, Dialoge über jeweils ein spezielles Thema: Januar – die Tinte; Februar – das Landleben, März – der Stein der Weisen, April – die Malerei, Mai – Lese- und Schreibkunst, Juni – die Todesbetrachtung. Nach Rists Tod wurden die restlichen sechs Monatsgespräche durch Erasmus Finx ergänzt. Johann Rist starb hochgeachtet am 31. August 1667 im Alter von 60 Jahren in Wedel.

Johann Rist gilt neben Paul Gerhardt als der bedeutendste protestantische geistliche Dichter des 17. Jahrhunderts.

 

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Johann von Rist (1607-1667) was a German poet and dramatist best known for the hymns he wrote.

He was born at Ottensen in Holstein (today Hamburg) on 8 March 1607; the son of the Lutheran pastor of that place, Caspar Rist. He received his early training at the Johanneum in Hamburg and the Gymnasium Illustre in Bremen; he then studied theology at the University of Rinteln. Under the influence of Josua Stegman there, his interest in hymn writing began. On leaving Rinteln, he tutored the sons of a Hamburg merchant, accompanying them to the University of Rostock, where he himself studied Hebrew, mathematics, and medicine. During his time at Rostock, the Thirty Years War almost emptied the University, and Rist himself lay there for several weeks, suffering from pestilence.

In 1633 he became tutor in the house of Landschreiber Heinrich Sager at Heide, in Holstein. Two years later (1635) he was appointed pastor of the village of Wedel on the Elbe. The same year he married Elisabeth Stapel, sister of Franz Stapel, bailiff of nearby Pinneberg. They had 5 children, of whom 2 died early; Elisabeth died 1662. In 1664 he married Anna Hagedorn, born Badenhop, widow of his friend Phillipp Hagedorn. He died in Wedel on 31 August 1667

 

Rist first made his name known to the literary world by a drama, Perseus (1634), which he wrote while at Heide, and in the next succeeding years he produced a number of dramatic works of which the allegory Das friedewünschende Teutschland (1647) and Das friedejauchzende Teutschland (1653) (new ed. of both by H. M. Schletterer, 1864) are the most interesting. Rist soon became the central figure in a school of minor poets. The emperor Ferdinand III crowned him laureate in 1644, ennobled him in 1653, and invested him with the dignity of a Count Palatine, an honor which enabled him to crown, and to gain numerous poets for the Elbschwanen order ("Elbe Swan Order"), a literary and poetical society which he founded in 1660. He had already, in 1645, been admitted, under the name Daphnis aus Cimbrien, to the literary order of Pegnitz, and in 1647 he became, as Der Rüstige, a member of the Fruchtbringende Gesellschaft ("Fruitbearing Society").

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Uploaded on July 4, 2010
Taken on April 18, 2010