amras_de
Liebster Vater, ich dein Kind
Photo: Ausgaben des aktuellen Evangelischen Gesangbuchs (EG) aus dem Jahr 1993
+++++++++++++++++++++++++++++++++
Liebster Vater, ich dein Kind
1.) Liebster Vater, ich dein Kind,
Komm zu dir geeilet,
Weil ich sonsten niemand find,
Der mich Armen heilet,
Meine Wunden sind sehr groß,
Groß sind meine Sünden,
Mach mich von denselben los,
Lass mich Gnade finden.
2.) Führst du väterlich Geschlecht,
Und hast Vatersitten,
Ei, so hab ich Kinderrecht
Und darf kühnlich bitten:
Denn den Kindern steht es frei,
Väter anzuflehen.
Vater, deine Vatertreu
Lass mich Armen sehen!
3.) Liebster Vater! Willst du dich
Vater lassen nennen.
Ei, so musst du lassen mich
Vatersinn erkennen:
Denn das wäre viel zu schlecht,
Bloßen Namen führen
Und nicht tun, nach Vaterrecht,
Was sich will gebühren.
4.) Nun so nimm dich meiner an,
Wie die Väter pflegen,
Meine Buß- und Tränenbahn
Lass dich doch bewegen.
Meine Sünden bringen Schmerz,
Die ich hab begangen.
Ach! Du liebstes Vaterherz,
Lass mich Gnad erlangen.
5.) Hast du doch in deinem Wort
Gnade mir versprochen,
Lass mich an der Gnadenpfort
Nicht vergeblich pochen.
Lass der matten Seufzer Stärk
Durch die Wolken dringen
Und von deinem Himmelsberg
Mit Genade bringen.
6.) Ich lass doch nicht eher ab,
Bis du mir gewähret Gnade,
Die ich von dir hab
Inniglich begehret.
Segne mich, so lass ich dich
Eher nicht, ich hange,
Wie die Klett am Kleid,
Bis ich Gnad von dir erlange.
7.) Du bist Gott, und heißest gut,
Weil du Guttat übest,
Und, gleichwie ein Vater tut,
Deine Kinder liebest.
Dieser Guttat lass mich auch,
Vaterherz, genießen,
Lass auf mich, nach deinem Brauch,
Deine Gnade fließen.
8.) Ach, verzeih mir, ach vergiss,
Was ich missgehandelt,
Weil ich nach der Sünden Trieb
Oftermals gewandelt.
Meine Sünden ich versenk,
Herr, in Jesu Wunden,
Ach, derselben nicht gedenk,
Lass sie sein verschwunden.
9.) Klagt mich mein Gewissen an,
Und will mich verdammen,
Will der schwarze Höllenmann
Dich zur Rach' anflammen. (a)
Ei, so denke mit Geduld,
Dass ich Staub und Aschen,
Und dass mich von meiner Schuld
Jesu Blut gewaschen.
(a) anstiften
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Autor: Christoph Tietze
Melodie: Jesu Leiden, Pein und Tod
oder: Jesu, deine Passion
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Geistliches neuvermehrtes Gothaisches
[evangelisches] Gesang-Buch
mit 1369 geistreichen Liedern und Gesängen
Verlag und Druck Johann Christoph Reyher
Gotha, 1767
Liednummer 288
Thema: Sünde, Buße und Umkehr
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Christoph Tietze, auch Titius, (* 10. Januar 1641 in Wilkau bei Namslau in Schlesien/Böhmische Kronländern, † 7. September 1703 in Hersbruck in Franken), war evangelisch-lutherischer Pfarrer und Lieddichter. Er wurde als Sohn des Pfarrers seiner Heimatgemeinde geboren. Er besuchte zuerst die Stadtschule zu Bernstadt, ab 1654 das Magdalenengymnasium in Breslau und wechselte im Jahr 1660 an das Egidiengymnasium in Nürnberg. Im Jahr 1662 immatrikulierte er sich an der Universität in Altdorf, um Theologie zu studieren. Er beendete seine Studien in Jena, wurde im August 1666 Pfarrer zu Laubenzeddel in Franken, kam von hier aus 1671 auf die Pfarrei Hanfenfeld im Nürnberger Gebiet. Im Jahr 1685 war er dann Diakon (Zweiter Pfarrer) in Hersbruck, wo er im Juni 1701 zum Archidiakon und schon im November desselben Jahres zum Oberpfarrer aufrückte. Seine, während der Studienzeit gedichteten 14 Lieder ließ er 1664 unter dem Titel 'Sündenschmertzen, Trost im Hertzen, Todten-Kertzen', in Nürnberg drucken, 1701 folgte eine dritte Auflage, die auf 54 Lieder vermehrt worden war. Insgesamt schrieb er um die 100 geistliche Lieder, wovon einige in fast allen Gesangbüchern der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stehen. Sein bekanntestes Lied ist ein Kreuz- bzw. Trostlied mit elf Strophen und heißt 'Sollt es gleich bisweilen scheinen'. Es ist sogar ins Schwedische und Malabarische (eine indische Sprache) übersetzt worden.
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Liebster Vater, ich dein Kind
Photo: Ausgaben des aktuellen Evangelischen Gesangbuchs (EG) aus dem Jahr 1993
+++++++++++++++++++++++++++++++++
Liebster Vater, ich dein Kind
1.) Liebster Vater, ich dein Kind,
Komm zu dir geeilet,
Weil ich sonsten niemand find,
Der mich Armen heilet,
Meine Wunden sind sehr groß,
Groß sind meine Sünden,
Mach mich von denselben los,
Lass mich Gnade finden.
2.) Führst du väterlich Geschlecht,
Und hast Vatersitten,
Ei, so hab ich Kinderrecht
Und darf kühnlich bitten:
Denn den Kindern steht es frei,
Väter anzuflehen.
Vater, deine Vatertreu
Lass mich Armen sehen!
3.) Liebster Vater! Willst du dich
Vater lassen nennen.
Ei, so musst du lassen mich
Vatersinn erkennen:
Denn das wäre viel zu schlecht,
Bloßen Namen führen
Und nicht tun, nach Vaterrecht,
Was sich will gebühren.
4.) Nun so nimm dich meiner an,
Wie die Väter pflegen,
Meine Buß- und Tränenbahn
Lass dich doch bewegen.
Meine Sünden bringen Schmerz,
Die ich hab begangen.
Ach! Du liebstes Vaterherz,
Lass mich Gnad erlangen.
5.) Hast du doch in deinem Wort
Gnade mir versprochen,
Lass mich an der Gnadenpfort
Nicht vergeblich pochen.
Lass der matten Seufzer Stärk
Durch die Wolken dringen
Und von deinem Himmelsberg
Mit Genade bringen.
6.) Ich lass doch nicht eher ab,
Bis du mir gewähret Gnade,
Die ich von dir hab
Inniglich begehret.
Segne mich, so lass ich dich
Eher nicht, ich hange,
Wie die Klett am Kleid,
Bis ich Gnad von dir erlange.
7.) Du bist Gott, und heißest gut,
Weil du Guttat übest,
Und, gleichwie ein Vater tut,
Deine Kinder liebest.
Dieser Guttat lass mich auch,
Vaterherz, genießen,
Lass auf mich, nach deinem Brauch,
Deine Gnade fließen.
8.) Ach, verzeih mir, ach vergiss,
Was ich missgehandelt,
Weil ich nach der Sünden Trieb
Oftermals gewandelt.
Meine Sünden ich versenk,
Herr, in Jesu Wunden,
Ach, derselben nicht gedenk,
Lass sie sein verschwunden.
9.) Klagt mich mein Gewissen an,
Und will mich verdammen,
Will der schwarze Höllenmann
Dich zur Rach' anflammen. (a)
Ei, so denke mit Geduld,
Dass ich Staub und Aschen,
Und dass mich von meiner Schuld
Jesu Blut gewaschen.
(a) anstiften
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Autor: Christoph Tietze
Melodie: Jesu Leiden, Pein und Tod
oder: Jesu, deine Passion
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Geistliches neuvermehrtes Gothaisches
[evangelisches] Gesang-Buch
mit 1369 geistreichen Liedern und Gesängen
Verlag und Druck Johann Christoph Reyher
Gotha, 1767
Liednummer 288
Thema: Sünde, Buße und Umkehr
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Christoph Tietze, auch Titius, (* 10. Januar 1641 in Wilkau bei Namslau in Schlesien/Böhmische Kronländern, † 7. September 1703 in Hersbruck in Franken), war evangelisch-lutherischer Pfarrer und Lieddichter. Er wurde als Sohn des Pfarrers seiner Heimatgemeinde geboren. Er besuchte zuerst die Stadtschule zu Bernstadt, ab 1654 das Magdalenengymnasium in Breslau und wechselte im Jahr 1660 an das Egidiengymnasium in Nürnberg. Im Jahr 1662 immatrikulierte er sich an der Universität in Altdorf, um Theologie zu studieren. Er beendete seine Studien in Jena, wurde im August 1666 Pfarrer zu Laubenzeddel in Franken, kam von hier aus 1671 auf die Pfarrei Hanfenfeld im Nürnberger Gebiet. Im Jahr 1685 war er dann Diakon (Zweiter Pfarrer) in Hersbruck, wo er im Juni 1701 zum Archidiakon und schon im November desselben Jahres zum Oberpfarrer aufrückte. Seine, während der Studienzeit gedichteten 14 Lieder ließ er 1664 unter dem Titel 'Sündenschmertzen, Trost im Hertzen, Todten-Kertzen', in Nürnberg drucken, 1701 folgte eine dritte Auflage, die auf 54 Lieder vermehrt worden war. Insgesamt schrieb er um die 100 geistliche Lieder, wovon einige in fast allen Gesangbüchern der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stehen. Sein bekanntestes Lied ist ein Kreuz- bzw. Trostlied mit elf Strophen und heißt 'Sollt es gleich bisweilen scheinen'. Es ist sogar ins Schwedische und Malabarische (eine indische Sprache) übersetzt worden.
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++