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Wie soll ich dir, mein Jesu, doch
Photo: Fenster in Eltville, Rheingau
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Wie soll ich dir, mein Jesu, doch
1.) Wie soll ich dir, mein Jesu, doch
Die Jugendsünden beichten,
Mit wieviel Tränen soll ich noch
Benetzen und befeuchten
Die Augen und das ganze Herz!
Ich bin voll Scham und Furcht und Schmerz.
Das ist die Frucht der Sünde!
2.) Du rufest mich zwar in dein Haus,
Nach deines Wortes Lehren,
Sollt ich stets gehen ein und aus
Mich ändern und bekehren.
Ach, aber das ist Heuchelei!
Und ich will nur getrost und frei
Nach meinem Willen leben.
3.) Ach, ich erschrecke heftiglich,
Mein Innerstes wird rege,
Dass ich viel' Tage hinter mich
Ohn' allen Nutzen lege!
Studieren ist des Herren Werk,
Doch mag ich's nur auf meine Stärk', -
Bin voller Eigenliebe.
4.) Der schadenvolle Müßiggang
Hält mich gar sehr gefangen.
Gar oft geschiehet nur aus Zwang
Das, was von mir verlangen
Die Obern, die Gott setzet für.
Mich hat mit Putz und Modenzier
Der Hochmut eingenommen.
5.) Ich bin zu Scherz und Hohn bereit
Mit meinem bösen Munde.
Die Schadenfreude, Hass und Neid
Liegt in des Herzens Grunde.
Ein schandbar' Wort acht' ich nicht viel,
Unzucht und Wollust ist mein Ziel,
Und halte mich zur Lügen.
6.) Man siehet mich in Sicherheit
Bei Frevelkindern stehen:
Hindan gesetzt der Sparsamkeit
Mit den Verschwendern gehen.
Man findet mich in Völlerei,
Die Spielsucht herrschet auch dabei:
So groß sind meine Sünden.
7.) O teurer Jesu, lass mich nicht
Darinnen sein verloren!
Du bist mein Heiland, Trost und Licht:
Du bist ein Kind geboren,
Auch deine Jugend und dein Sinn,
Der ging ganz heiliglich dahin,
Die Jugend zu erlösen.
8.) Lass meine Andacht innig sein,
Gib mir den wahren Glauben,
Wasch mich mit deinem Blute rein,
Lass mich von dir nicht rauben.
Ach, treib mich alle Stunden an,
Dass ich an dich gedenken kann,
Und meinen Wandel bessre!
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Autor: Johann Martin Schamel
Melodie: Wo Gott der Herr nicht bei uns hält
oder: Allein Gott in der Höh sei Ehr
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Neuvermehrtes und wohleingerichtetes
Naumburgisches Gesang-Buch
Darinnen die erbaulichen Lieder Lutheri,
Gerhardi und anderer geistreicher Männer
[von Joh. Martinus Schamelius]
Druck und Verlag Balthasar Bossögel
Naumburg 1735
Liednummer 375
Thema: Sünde, Buße und Umkehr
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Johann Martin Schamel, auch Schamelius, (* 5. Juni 1668 zu Meuselwitz im Altenburgischen, + 27. März 1742) war evangelisch-lutherischer Pfarrer, Hymnologe und Kirchenlieddichter. Er wurde als Sohn des Pfarrers zu Meuselwitz geboren und kam im fünften Lebensjahr zu seinem mütterlichen Großvater, dem Ratsherrn Moßdorf, nach Naumburg, um da die Schule zu besuchen. 1686 bezog er die Universität Leipzig, wo er 1689 Magister wurde und Vorlesungen zu halten begann. Seit 1691 wirkte er anschließend an verschiedenen Orten als Hauslehrer und wandte sich während dieser Zeit dem evangelischen Pietismus August Hermann Franckes zu. Er ging deswegen 1702 nach Halle an der Saale, um sein Studium nochmals aufzunehmen, in dem er bei Francke und Freylinghausen Vorlesungen hörte. 1703 wurde er Diakon und 1708 Oberpfarrer und zugleich Scholarch in Naumburg und blieb dort trotz verschiedener sehr ehrenvoller Berufungen bis zu seinem Tod 1742. Seine sehr zahlreichen Schriften bestehen zur größeren Hälfte in homiletischen, exegetischen und katechetischen Arbeiten, andere gehören der Kirchengeschichte an, namentlich seine Beschreibungen der ehemaligen Klöster zu Naumburg, Roßleben, Memleben, Saalfeld, Oldesleben, Gosegk sind von historischem Interesse. Das wichtigste Verdienst aber hat er sich als Hymnologe durch sein 'Naumburgisches Gesangbuch' erworben, das erstmals 1712 erschien, und das er in vierter Auflage 1720 unter dem Titel 'Naumburgisches glossirtes Gesangbuch nebst einer kurzgefaßten Geschichte der Hymnopoeorum' vorlegte. Den in diesen Gesangbüchern gegebenen wissenschaftlichen Apparat vermehrte er später zu einem eigenen Werk, das unter dem Titel 'Evangelischer Liedercommentarius' in zwei Teilen 1724 erschien.
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Wie soll ich dir, mein Jesu, doch
Photo: Fenster in Eltville, Rheingau
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Wie soll ich dir, mein Jesu, doch
1.) Wie soll ich dir, mein Jesu, doch
Die Jugendsünden beichten,
Mit wieviel Tränen soll ich noch
Benetzen und befeuchten
Die Augen und das ganze Herz!
Ich bin voll Scham und Furcht und Schmerz.
Das ist die Frucht der Sünde!
2.) Du rufest mich zwar in dein Haus,
Nach deines Wortes Lehren,
Sollt ich stets gehen ein und aus
Mich ändern und bekehren.
Ach, aber das ist Heuchelei!
Und ich will nur getrost und frei
Nach meinem Willen leben.
3.) Ach, ich erschrecke heftiglich,
Mein Innerstes wird rege,
Dass ich viel' Tage hinter mich
Ohn' allen Nutzen lege!
Studieren ist des Herren Werk,
Doch mag ich's nur auf meine Stärk', -
Bin voller Eigenliebe.
4.) Der schadenvolle Müßiggang
Hält mich gar sehr gefangen.
Gar oft geschiehet nur aus Zwang
Das, was von mir verlangen
Die Obern, die Gott setzet für.
Mich hat mit Putz und Modenzier
Der Hochmut eingenommen.
5.) Ich bin zu Scherz und Hohn bereit
Mit meinem bösen Munde.
Die Schadenfreude, Hass und Neid
Liegt in des Herzens Grunde.
Ein schandbar' Wort acht' ich nicht viel,
Unzucht und Wollust ist mein Ziel,
Und halte mich zur Lügen.
6.) Man siehet mich in Sicherheit
Bei Frevelkindern stehen:
Hindan gesetzt der Sparsamkeit
Mit den Verschwendern gehen.
Man findet mich in Völlerei,
Die Spielsucht herrschet auch dabei:
So groß sind meine Sünden.
7.) O teurer Jesu, lass mich nicht
Darinnen sein verloren!
Du bist mein Heiland, Trost und Licht:
Du bist ein Kind geboren,
Auch deine Jugend und dein Sinn,
Der ging ganz heiliglich dahin,
Die Jugend zu erlösen.
8.) Lass meine Andacht innig sein,
Gib mir den wahren Glauben,
Wasch mich mit deinem Blute rein,
Lass mich von dir nicht rauben.
Ach, treib mich alle Stunden an,
Dass ich an dich gedenken kann,
Und meinen Wandel bessre!
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Autor: Johann Martin Schamel
Melodie: Wo Gott der Herr nicht bei uns hält
oder: Allein Gott in der Höh sei Ehr
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Neuvermehrtes und wohleingerichtetes
Naumburgisches Gesang-Buch
Darinnen die erbaulichen Lieder Lutheri,
Gerhardi und anderer geistreicher Männer
[von Joh. Martinus Schamelius]
Druck und Verlag Balthasar Bossögel
Naumburg 1735
Liednummer 375
Thema: Sünde, Buße und Umkehr
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Johann Martin Schamel, auch Schamelius, (* 5. Juni 1668 zu Meuselwitz im Altenburgischen, + 27. März 1742) war evangelisch-lutherischer Pfarrer, Hymnologe und Kirchenlieddichter. Er wurde als Sohn des Pfarrers zu Meuselwitz geboren und kam im fünften Lebensjahr zu seinem mütterlichen Großvater, dem Ratsherrn Moßdorf, nach Naumburg, um da die Schule zu besuchen. 1686 bezog er die Universität Leipzig, wo er 1689 Magister wurde und Vorlesungen zu halten begann. Seit 1691 wirkte er anschließend an verschiedenen Orten als Hauslehrer und wandte sich während dieser Zeit dem evangelischen Pietismus August Hermann Franckes zu. Er ging deswegen 1702 nach Halle an der Saale, um sein Studium nochmals aufzunehmen, in dem er bei Francke und Freylinghausen Vorlesungen hörte. 1703 wurde er Diakon und 1708 Oberpfarrer und zugleich Scholarch in Naumburg und blieb dort trotz verschiedener sehr ehrenvoller Berufungen bis zu seinem Tod 1742. Seine sehr zahlreichen Schriften bestehen zur größeren Hälfte in homiletischen, exegetischen und katechetischen Arbeiten, andere gehören der Kirchengeschichte an, namentlich seine Beschreibungen der ehemaligen Klöster zu Naumburg, Roßleben, Memleben, Saalfeld, Oldesleben, Gosegk sind von historischem Interesse. Das wichtigste Verdienst aber hat er sich als Hymnologe durch sein 'Naumburgisches Gesangbuch' erworben, das erstmals 1712 erschien, und das er in vierter Auflage 1720 unter dem Titel 'Naumburgisches glossirtes Gesangbuch nebst einer kurzgefaßten Geschichte der Hymnopoeorum' vorlegte. Den in diesen Gesangbüchern gegebenen wissenschaftlichen Apparat vermehrte er später zu einem eigenen Werk, das unter dem Titel 'Evangelischer Liedercommentarius' in zwei Teilen 1724 erschien.
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