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Wach auf, verschlafnes Herz
Photo: Fenster in Eltville/Rheingau
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Wach auf, verschlafnes Herz
1.) Wach auf, verschlafnes Herz!
Ermuntre Leib und Glieder.
Die Sonne geht dir auf,
Und heischet (a) Morgenlieder.
Auch Israel ist schon
Zu seinem Manna wach, -
Wohlan, verlass auch du
Dein faules Schlafgemach.
2.) Gott, der du bist das Licht,
Und Tag und Nacht gegeben,
Dir dank ich meine Kraft
Und mein gestärktes Leben.
Ich lag, als von der Hand
Des Todes ausgestreckt,
Und läge noch also,
Wenn du mich nicht erweckt.
3.) Denn, Herr, was ist der Mensch,
So bald er eingeschlafen?
Es tut kein Glied das Werk,
Wozu du es geschaffen.
So gar, dass unser Schlaf
Des Todes Abbild ist,
Wobei du täglich uns
Ein neuer Schöpfer bist.
4.) Lass aber mich den Tod
In meinem Wandel fliehen,
Und nimmer an dem Joch
Der toten Werke ziehen.
Ach gib, dass ich das Licht
Also gebrauchen mag,
Dass in der Finsternis
Du seist mein heller Tag.
5.) Gib, dass ich stets bedenk,
Dass ich dem Morgen gleiche,
Dass, wie sein Rot verbleicht,
Ich auch gar bald verbleiche.
Denn, sind wir noch so stark
Und dauerhaft gebaut,
Ist's doch ein Erdenklos,
Worauf die Menschheit traut.
6.) Gesicht, Gehör, Geruch,
Geschmack, Gefühl verschwinden,
Doch missbraucht sie der Mensch
Zu Eitelkeit und Sünden.
Bewahr mich, Herr, davor
Und präg mir's lebhaft ein,
Dass jeder heut'ge Tag
Mir kann der letzte sein.
7.) Geschieht's denn: O, so bring
Mich flugs zu jener Sonne,
Die den Erwählten scheint
Zu jeder Freudenwonne.
Wenn da mein Herz dich kennt,
Und dich mein Auge sieht,
So singt dir erst mein Mund
Das rechte Morgenlied.
(a) erfordert
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Autor: Johann von Besser
Melodie: O Gott, du frommer Gott
oder: Nun danket alle Gott
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gefunden im Buch
Mitauisches [lutherische] Gesangbuch
Druck: Johann Friedrich Steffenhagen
Mitau (heute Jelgava, Lettland), 1771
Liednummer 37
Thema: Morgenlied
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Johann von Besser (* 8. Mai 1654 in Frauenburg, Kurland, heute Saldus/Kurland; † 10. Februar 1729 in Leipzig) war ein deutscher Dichter.
Besser studierte in Königsberg evangelische Theologie und kam als Begleiter des kurländischen Adligen Jakob Friedrich von Maydel nach Leipzig, wo er an der dortigen Universität Jura studierte. Auf Empfehlung des Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau wurde er 1680 kurfürstlich-brandenburgischer Rat und 1681 Legationsrat. In dieser Eigenschaft war er 1684-85 kurfürstlicher Resident in London. König Friedrich I. von Preußen ernannte ihn 1690 zum Zeremonienmeister und Hofpoeten und erhob ihn in den Adelsstand. 1701 wurde er Geheimer Rat und Oberzeremonienmeister. Als Friedrich Wilhelm I. bei seinem Regierungsantritt 1713 alle überflüssigen Hofchargen abschaffte, verlor von Besser seine Ämter und geriet in eine bedrückende Lage, bis er 1717 als Geheimer Kriegsrat und Zeremonienmeister an den Dresdner Hof Augusts des Starken berufen wurde. Hier verblieb er bis zu seinem Tod. Besser schrieb Lob- und Heldengedichte auf Fürsten, Liebes- und Studentenlieder, Festgedichte, Singspiele, Texte von Maskenfesten und Epigramme. Als zeitgeschichtliches Dokument interessant ist seine Preußische Krönungsgeschichte aus dem Jahre 1712.
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Wach auf, verschlafnes Herz
Photo: Fenster in Eltville/Rheingau
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Wach auf, verschlafnes Herz
1.) Wach auf, verschlafnes Herz!
Ermuntre Leib und Glieder.
Die Sonne geht dir auf,
Und heischet (a) Morgenlieder.
Auch Israel ist schon
Zu seinem Manna wach, -
Wohlan, verlass auch du
Dein faules Schlafgemach.
2.) Gott, der du bist das Licht,
Und Tag und Nacht gegeben,
Dir dank ich meine Kraft
Und mein gestärktes Leben.
Ich lag, als von der Hand
Des Todes ausgestreckt,
Und läge noch also,
Wenn du mich nicht erweckt.
3.) Denn, Herr, was ist der Mensch,
So bald er eingeschlafen?
Es tut kein Glied das Werk,
Wozu du es geschaffen.
So gar, dass unser Schlaf
Des Todes Abbild ist,
Wobei du täglich uns
Ein neuer Schöpfer bist.
4.) Lass aber mich den Tod
In meinem Wandel fliehen,
Und nimmer an dem Joch
Der toten Werke ziehen.
Ach gib, dass ich das Licht
Also gebrauchen mag,
Dass in der Finsternis
Du seist mein heller Tag.
5.) Gib, dass ich stets bedenk,
Dass ich dem Morgen gleiche,
Dass, wie sein Rot verbleicht,
Ich auch gar bald verbleiche.
Denn, sind wir noch so stark
Und dauerhaft gebaut,
Ist's doch ein Erdenklos,
Worauf die Menschheit traut.
6.) Gesicht, Gehör, Geruch,
Geschmack, Gefühl verschwinden,
Doch missbraucht sie der Mensch
Zu Eitelkeit und Sünden.
Bewahr mich, Herr, davor
Und präg mir's lebhaft ein,
Dass jeder heut'ge Tag
Mir kann der letzte sein.
7.) Geschieht's denn: O, so bring
Mich flugs zu jener Sonne,
Die den Erwählten scheint
Zu jeder Freudenwonne.
Wenn da mein Herz dich kennt,
Und dich mein Auge sieht,
So singt dir erst mein Mund
Das rechte Morgenlied.
(a) erfordert
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Autor: Johann von Besser
Melodie: O Gott, du frommer Gott
oder: Nun danket alle Gott
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gefunden im Buch
Mitauisches [lutherische] Gesangbuch
Druck: Johann Friedrich Steffenhagen
Mitau (heute Jelgava, Lettland), 1771
Liednummer 37
Thema: Morgenlied
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Johann von Besser (* 8. Mai 1654 in Frauenburg, Kurland, heute Saldus/Kurland; † 10. Februar 1729 in Leipzig) war ein deutscher Dichter.
Besser studierte in Königsberg evangelische Theologie und kam als Begleiter des kurländischen Adligen Jakob Friedrich von Maydel nach Leipzig, wo er an der dortigen Universität Jura studierte. Auf Empfehlung des Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau wurde er 1680 kurfürstlich-brandenburgischer Rat und 1681 Legationsrat. In dieser Eigenschaft war er 1684-85 kurfürstlicher Resident in London. König Friedrich I. von Preußen ernannte ihn 1690 zum Zeremonienmeister und Hofpoeten und erhob ihn in den Adelsstand. 1701 wurde er Geheimer Rat und Oberzeremonienmeister. Als Friedrich Wilhelm I. bei seinem Regierungsantritt 1713 alle überflüssigen Hofchargen abschaffte, verlor von Besser seine Ämter und geriet in eine bedrückende Lage, bis er 1717 als Geheimer Kriegsrat und Zeremonienmeister an den Dresdner Hof Augusts des Starken berufen wurde. Hier verblieb er bis zu seinem Tod. Besser schrieb Lob- und Heldengedichte auf Fürsten, Liebes- und Studentenlieder, Festgedichte, Singspiele, Texte von Maskenfesten und Epigramme. Als zeitgeschichtliches Dokument interessant ist seine Preußische Krönungsgeschichte aus dem Jahre 1712.
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