Haus Kirchplatz 28 in Prachatitz
Die Stadt Prachatitz (Prachatice) war als Zentrum des Salzhandels über Jahrhunderte die bedeutendste Stadt im Bereich des Böhmerwaldes. Die am „Goldenen Steig“ gelegene Siedlung ist unter ihrem heutigen Namen erstmals für das Jahr 1088 belegt, wenngleich es sich dabei vermutlich um das Dorf Alt Prachatitz (Staré Prachatice) handelt, in welchem damals aber bereist das von Passau herangeführte Salz gestapelt werden durfte. Die Einkünfte daraus flossen an das Domkapitel auf dem Prager Vyšehrad, welches Anfang des 14. Jahrhunderts die im nahen Witiejitz residierende gleichnamige Adelsfamilie mit der Gründung einer Stadt zum Schutz der Salzhändler beauftragte. Die südlich des Dorfs Alt Prachatitz angelegte Stadt erhielt einen kreisförmigen Grundriss, wobei das ein rechteckiger Marktplatz das Zentrum bildete und zwei Tore dem Verlauf des Goldenen Steiges entsprachen. Durch die bereits 1323 verliehenen Stadtrecht blühte die Siedlung schnell auf, was durch das 1382 von Wenzel IV. Verliehene Salzstapelrecht noch gesteigert wurde. Prachatitz hatte damit über lange Zeit das Monopol des Salzverkaufs für ganz Böhmen inne. Der Reichtum der hiesigen Kaufleute zeigte sich an zahlreichen Patrizierhäusern mit ausgesprochen wertvollen Sgraffitoverzierungen. Die Bedeutung von Prachatitz ging ab dem 17. Jahrhundert langsam zurück, als es zwar zur Königsstadt erhoben wurde, jedoch der Salzhandel sich mehr auf den aus Österreich kommenden Linzer Steig verlagerte. Nach dem Verlust der Privilegien in Folge des Dreißigjährigen Krieges und der endgültigen Verlegung des kaiserlichen Salzlagers nach Böhmisch Krumau (Český Krumlov), geriet Prachatitz endgültig in den Rang einer Provinzstadt.
Das Haus Kirchplatz (Kostelní náměstí) 28 nimmt gemeinsam mit dem benachbarten Heydl-Haus (Nr. 29) den Bereich zwischen Piseker Tor und St. Jakobus-Kirche ein. Beide Häuser besitzen eine eindrucksvolle Fassadengestaltung mit Sgraffito die Szenen wie Samsons Kampf mit den Löwen, die Prozession des Bacchus oder Herakles Kampf mit den Kentauren darstellen. Das Heydl-Haus ist ein im Kern gotischer Bau, der Mitte des 16. Jahrhunderts von der Kaufmannsfamilie Heydl im Renaissancestil umgebaut wurde. Damals entstand offenbar das Haus Nr. 28, dessen Fassade durch den Spruch „Disteln und Dornen stechen sehr, falsche Zungen noch (viel mehr. Doch) will ich lieber in Disteln und Dornen baden als mit falschen Zungen sein beladen. 1557” geziert wird.
Haus Kirchplatz 28 in Prachatitz
Die Stadt Prachatitz (Prachatice) war als Zentrum des Salzhandels über Jahrhunderte die bedeutendste Stadt im Bereich des Böhmerwaldes. Die am „Goldenen Steig“ gelegene Siedlung ist unter ihrem heutigen Namen erstmals für das Jahr 1088 belegt, wenngleich es sich dabei vermutlich um das Dorf Alt Prachatitz (Staré Prachatice) handelt, in welchem damals aber bereist das von Passau herangeführte Salz gestapelt werden durfte. Die Einkünfte daraus flossen an das Domkapitel auf dem Prager Vyšehrad, welches Anfang des 14. Jahrhunderts die im nahen Witiejitz residierende gleichnamige Adelsfamilie mit der Gründung einer Stadt zum Schutz der Salzhändler beauftragte. Die südlich des Dorfs Alt Prachatitz angelegte Stadt erhielt einen kreisförmigen Grundriss, wobei das ein rechteckiger Marktplatz das Zentrum bildete und zwei Tore dem Verlauf des Goldenen Steiges entsprachen. Durch die bereits 1323 verliehenen Stadtrecht blühte die Siedlung schnell auf, was durch das 1382 von Wenzel IV. Verliehene Salzstapelrecht noch gesteigert wurde. Prachatitz hatte damit über lange Zeit das Monopol des Salzverkaufs für ganz Böhmen inne. Der Reichtum der hiesigen Kaufleute zeigte sich an zahlreichen Patrizierhäusern mit ausgesprochen wertvollen Sgraffitoverzierungen. Die Bedeutung von Prachatitz ging ab dem 17. Jahrhundert langsam zurück, als es zwar zur Königsstadt erhoben wurde, jedoch der Salzhandel sich mehr auf den aus Österreich kommenden Linzer Steig verlagerte. Nach dem Verlust der Privilegien in Folge des Dreißigjährigen Krieges und der endgültigen Verlegung des kaiserlichen Salzlagers nach Böhmisch Krumau (Český Krumlov), geriet Prachatitz endgültig in den Rang einer Provinzstadt.
Das Haus Kirchplatz (Kostelní náměstí) 28 nimmt gemeinsam mit dem benachbarten Heydl-Haus (Nr. 29) den Bereich zwischen Piseker Tor und St. Jakobus-Kirche ein. Beide Häuser besitzen eine eindrucksvolle Fassadengestaltung mit Sgraffito die Szenen wie Samsons Kampf mit den Löwen, die Prozession des Bacchus oder Herakles Kampf mit den Kentauren darstellen. Das Heydl-Haus ist ein im Kern gotischer Bau, der Mitte des 16. Jahrhunderts von der Kaufmannsfamilie Heydl im Renaissancestil umgebaut wurde. Damals entstand offenbar das Haus Nr. 28, dessen Fassade durch den Spruch „Disteln und Dornen stechen sehr, falsche Zungen noch (viel mehr. Doch) will ich lieber in Disteln und Dornen baden als mit falschen Zungen sein beladen. 1557” geziert wird.